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„Die unbesoldeten Canzlisten muBten in einem Hause gedrangt zusammenwohnen, essen und arbeiten. Arm und wenig angesehen, hielten sie meistens zu einander, aber Neid und Eifersucht, wie sie die Sorge um das tagliche Brot erzeugt, führten doch haufig zu Reibungen und Oehassigkeiten. Jeden neuen Ankömmling sahen sie scheel an; das, wovon er lebte, ging ihnen ab. Nun trat Enea in diese Oenossenschaft unter lauter Deutsche, die überdies kein gönstiges Vorurteü für seine Nation hegten. Er wurde von seinen Collegen empfangen wie ein OeSchteter, sie ahnten und haBten in ihm den Günstling des Canzlers. Bei Tisch und im gemeinsamen Schlafgemach wiesen sie ihm den niedrigsten Platz an, lachten und spotteten über ihn, den Armen, der ihre deutschen Worte nicht einmal verstand. Jede Annaherung, die er versuchte, ward zurückgewiesen, es war eine traurige, auf die Lange ganz unertragliche Stellung. Aber was blieb ihm übrig, wenn er nicht auf der Stelle wieder davonziehen wollte ? Er hüllte sich in den Schein des Gleichmuts und der Demut, IieB die Ohren hangen wie ein gequalter Esel, dem eine zu schwere Last auf die Schultern gelegt wird. Es giebt, glaube mir, so schrieb er einem jüngeren Freunde, kein harteres Heerlager als Fürstenhöfe, wo Neid, Eifersucht, Verleumdung, HaB, Feindschaft, Schande, Beleidigungen und unendliche Pein zu Hause sind, Dinge, die nur durch Oeduld überwunden werden können".

Doch fand Enea unter diesen Leuten Oenossen. „Nun ja, da sind gute treuherzige Leute, aber sie lieben nicht auf meine Weise die Wissenschaften, ihre Lust ist nicht das, was die meine ist". So fand er mehrere Freunde unter den Kanzleikollegen. „Da war der Böhme Wenzel von Bochow und sein Landsmann Prokop von Rabstein, der Nürnberger Hans Freund und der redliche Schwabe Michel von Fullendorf. Das mochten etwa die tüchtigsten und klügsten sein, aber die Mehrzahl war, wie eben die Mehrzahl immer ist. Für des Tages saure Arbeit in derCancelei entsch&digten sie sich abends durch Feste und nachtliche Lüste; zum elenden Wein machte nicht selten eine Dirne die Wirtin" (Voigt a. a. O. I S. 284).

Der hier genannte Michel von Pfullendorf war Schreiber des

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