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Doch wie dem auch sei, ob Wiener-Neusttm oder Oratz der Sitz der Kanzlei gewesen, das ander! hichts an der Tatsache, daB die Mundarten, vor allem die Schriftdialekte der südlichen Lande, der Steiermark, KSrnthens und Krains, EinfluB auf die Sprache der Kanzlei ausgeübt haben müssen. Nicht nur, daB die Kanzlei hier ihre eigentliche Heimat hat, auch viele Hofleute, besonders Rite des Königs, stammen aus diesen Oegenden, „die Leute von der steyrschen Wfcfeheit", wie Enea sagt.

Der südliche SchWftdialekt muB besonders durch Vermittlung •der österreichischen Kanzleien seinen EinfluB auf die Sprache •der römischen Kanzlei geltend gemacht haben. Neben der römischen besitzt Friedrich noch immer seine Landeskanzlei, die österreichische, an deren Spitze, Wie die Landsstande es forderten, ein einheimischer Kanzier stehen sollte (vgl. Chmel R. Nr. 172). Es kommt vor, daB Stücke, welche dem Reiche gelten, aus der österreichischen Kanzlei ausgehen, die dann selbstverstandlich, da in dieser Kanzlei nur Einheimische tatig sind, einen noch ausgesprocheneren südlichen Charakter haben als die meisten Schreiben der römischen Kanzlei (vgl. Chron. X S. 400).

Auch der Wiener Stadtdialekt und die Kreise der Wiener Universftat haben die Kanzleisprache beeinfluBt. Im Oegensatz zu den Schreibern der früheren Kaiser treten jetzt auch Doktoren, akademisch gebildete Kanzlisten, in die Kanzlei. Schon unter Sigmund trafen wir einen an: den jüngeren Kirchheim, Dr. Johann Kirchheim, „Lehrer geistlicher Rechte." Jetzt trëffen wir mehrere an: Dr. Heinrich Leubing, Dr. UIrich Riedrer, Dr. Wolfgang Forchtenauer, den Oeheimschrelber Dr. Sigmund Drechsler, Dr. Hartung von Kappel.

Weiter muBte das von den Kaisern Sigmund und Albrecht ilbernommene Kanzleipersonal in den ersten Jahren einen bedeutenden EinfluB ausüben. Man kann ja nicht annehmen, daB plötzlich dieses ganze Personal BayrisCh-Österreichisch geschrieben hatte. Frèmch gehen schon 1440 von den alten Protonotaren Sigmunds unterfertigte Briefe aus der Kanzlei hervor, die teilweise im österreichischen Schriftdialekt abgefaBt sind. Diese müssen jedoch von den untern Schreibern herrühren, die

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