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KAPITEL VI.

Über den EinfluB der Kanzleisprache Friedrichs III.

Das Vordringen der neuhochdeutschen Diphthonge, des Hauptcharakteristikums der neuen Schriftsprache, findet, von einem Teile von Thüringen, wo auch heute noch die alten Langen gesprochen werden, abgesehen, w&hrend der Regierungsperiode Friedrichs III., nur in solchen Gegenden statt, die in der Mundart die neuen Djphthonge schon kennen. Die niedersSchsischen, die niederfrahkischen und die alemannischen Gebiete widersetzen sich in der offiziellen Spracheder Verbreitung dieser oberdeutschen Eindringlinge. Erst viel spater nehmen auch diese deutschen Lande sie in ihre Schriftsprache auf.

Diese Tatsache darf bei der Behandlung der Frage, ob und inwieweit die kaiserliche Kanzleisprache die Verbreitung der neuhochdeutschen Diphthonge gefördert habe, nicht übersehen werden. Sie zeigt aufs deutlichste, daB die Schriftsprache sich nicht unabhangig von den Mundarten entwickelt haben kann. Diese müssen je nach ihrem Bestand die Diphthonge in der Schriftsprache gefördert oder gehemmt haben. Das ist ja auch selbstverstandlich : die Schriftsprache ist eben kein künstliches Gewachs, nicht ein fremdes Reis, das von auBen her auf deutschen Stamm gepfropft wurde; sie ist ein n a t ü r 1 i ch e s Produkt, das auf n a t ü r1 i c h e m Wege aus den Mundarten hervorgewachsen ist. Das Problem von der Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftsprache muB folgiich auf naturlichem Wege seine Lösung finden. Auch auf die Seite des Problems, die hier naher beleuchtet werden soll, die Beeinflussung der mittel- und süddeutschen Kanz-

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