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thonge noch unbekannt waren. Verfolgen wir diese Erscheinung etwas genauer.

Für die Kanzleien derjenigen Landesteile, in deren Mundart die neuen Diphthonge noch unbekannt waren, muB EinfluB von auswarts angenommen werden. Unerweislich bleibt es, welche .Kanzleisprache den EinfluB* ausgeübt hat, die kaiserliche in Wiener- Neustadt und Oratz oder die mitteldeutschen. Historisch ist letzteres wahrscheinlicher. Gerade zu der Zeit, wo z. B. in Thüringen das ei allmahlich aufzutreten anfangt, haben „kaiserliches Regiment und Reichsgesetzgebung so gut wie auf.gehört" (vgl. Bachman, Deutsche Reichsgeschichte im Zeitalter Friedrichs III. und Maximilians I., Bd. I S. 2) und findet zwischen den mitteldeutschen Fürsten, sie mochten sich in Hinsicht auf territoriale Interessen einigen oder entzweien, ein lebhafter brieflicher Verkehr statt, wie u. a. die Bande 42, 42 und 46 der „Fontes rerum Austriacarum" beweisen können. In diesem Verkehr werden unwillkürlich in haufig vorkommenden Wörtern die Diphthonge, zunachst das ei, allmahlich übernommen. Von einer bestimmten Absicht, von einer bewuBten systematischen Übernahme laBt sich keine Spur entdecken. Wenn man absichtlich übernommen hatte, warum hatte man dann anfangs nur das neue ei aufgenommen und noch dazu in einigen schwankenden Fallen ? Das ganze Auftreten der neuen Diphthonge in diesen Kanzleisprachen weist auf eine allmahliche Angleichung hin. Vergleichen wir z. B. welche Wörter zuerst in den Württemberger und in den Thüringer Kanzleien, die in dieser Hinsicht verglichen werden können, da in beider Mundart zu dieser Zeit die alten Langen gesprochen werden, zuerst das ei zeigen, so ergibt sich «ine merkwürdige Übereinstimmung. Es sind nahezu dieselben Wörter, welche dann und wann mit ei geschrieben werden; vgl. für Thüringen: (F. R. A. II 42 Nr. 111: sein, sei, sey (3 X), verschreibung, schreiben; (1458) Nr. 174: sey (6 X).desgleichen, dieweilen, schreiben, bey; (1459) Nr. 194: seyn (5 X); (1460) Bd. 44 Nr. 50: reyten (2 X)> seiner, sein, zceit. Für Württemberg gibt Bohnenberger (a. a. O. § 39) aus den Urkunden: Münsinger Vertrag (1482): bey, bei, wein, zeiten; (1486) Eber-

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