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Noch für die Druckersprache gilt anfangs dasselbe (vgl. Moser a. a. O. S. 28): In dem Liederbuch der Augsburger Nonne Clara Hatzlerin (1471) „sind die Diphthonge ei, au, eu durchgeführt, nur für das letztere kommt noch öfter ü vor." Schon bald tritt aber in den Drucken au auf; vgl. Kaufmann a. a. O. S. 294 ff.

Ich frage nun : Warum erscheint zur Zeit Sigmunds, in dessen Kanzlei sehr haufig sowohl altes t als altes u vorkommt, in Augsburg nur das neue ei und fahrt man fort altes u zu schreiben; warum zeigen die Kanzleien in Thüringen und Sachsen ein halbes Jahrhundert spater, zur Zeit Friedrichs IU., dessen Kanzlei nach 1450 fast nur die neuhochdeutschen Diphthonge kennt, auch wieder das neue ei und lassen sie altes ü stehen ? Der Grund kann doch nur der sein, daB dieses allmahliche Auftreten der nhd. Diphthonge eben nichts mit der Sprache der kaiserlichen Kanzlei als Muster zu tun hat, sondern die Folge einer unbewuBten Angleichung an die Sprachen solcher andren Kanzleien ist, mit denen ein lebhafter schriftlicher Verkehr stattfindet, in welchem AngleichungsprozeB die Mundart, aus der die betreffende Kanzleisprache hervorgegangen, einen wesentlichen Faktor bildet. Eine bewuBte Übernahme kann nicht stattgefunden haben, man hatte dann regelmaBig' alle Diphthonge eingeführt.

Wenn also eine bewuBte Absichtlichkeit bei der Übernahme sprachlicher Neuerungen in der Kanzlei nicht angenommen werden darf, so versteht es sich, daB auch von einer bewuBten Nachahmung der Eigenheiten der kaiserlichen Kanzleisprache nicht die 'Rede sein kann. Sie kann zwar EinfluB ausgeübt haben, aber nicht mehr oder weniger als die Sprachen der andern Kanzleien, mit denen die betreffende Kanzlei in Verbindung steht, es sei denn, daB die Kaisersprache allgemein als Autoritat gegolten hatte. Über diese Autoritatsfrage im folgenden Kapitel.

Wir wollen zunachst versuchen an einigen sprachiichen Erscheinungen zu beweisen, daB in der Tat sich bisher von einem EinfluB der kaiserlichen Kanzleisprache in unsrer Periode wenig zeigt, daB wenigstens nicht mit OewiBheit gesagt werden kann, daB

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