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der Kaisersprache entwickelt hat. Letztere kennt eben zu dieser Zeit dieses Dativ- Pronomen ew nicht. Der böhmischen Kanzleisprache Sigmunds, ebenso wie der seines Vaters und Bruders, ist es unbekannt. Erst in der Kanzlei der Habsburger, bei Friedrich HL, kommt das ew als Dativform sehr haufig vor.

Der Diphthong ei.

Der Diphthong ei wird in den verschiedenen Kanzleien, besonders in den süddeutschen, gegen das Ende des XV. Jhts. immer haufiger als ai geschrieben. Das Auftreten dieses ai ohne weiteres der Kaisersprache zuzuschreiben, ware nicht richtig. Erstens kommt das ai in der Kaisersprache bei weitem nicht so haufig vor, wie gewöhnlich angenommen wird: Sigmund kennt nur ei, Friedrich wendet im Verkehr mit Mittel- und Norddeutschland infolge der Verteilung des Kanzleipersonals vorwiegend ei an und auch bei Maximilian ist das ai nichts weniger als alleinherrschend. Zweitens laBt sich hier der EinfluB der Mundart nicht leugnen. Ein deutliches Beispiel dafür, daB letztere auch bei der Erscheinung des ai eine Rolle spielt, gibt wiederum Nürnberg. Die Sprache der Reichsstadt zeigt scharf abgegrenzte Perioden, wahrend welcher ei und wahrend welcher ai geschrieben wird. In den altesten Polizeiordnungen (Ende des 13. Jhts., jedenfalls vor 1327) steht ai, ebenso in dem etwas spateren „Püchel von meim geslechet und von abentewer" von Uiman Stromer (1360). ei steht immer nur für mhd. i. Wie die spatere Entwicklung im Neunürnbergischen beweist, muB das ei aus mhd. i geschlossener gesprochen worden sein als das alte ai. Ersteres entwickelt sich in der Mundart zu ai, das zweite zu a; vgl. Gebhardt, Grammatik der Nürnberger Mundart § 70 und § 81.

Um die Mitte des 15. Jhts. tritt jedoch für beide Laute, sowohl für den alten als für den neuen Diphthong, in der Schrift durchweg ei auf. Tucher schreibt nur ei, auch Muffels Gedenkbuch. Damit übereinstimmend zeigen die Ratsverlasse zu dieser Zeit ei; vgl. oben S. 89.

Bei dem ersten Eindruck denkt man hier an einen EinfluB von

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