Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

124

lassen. Für das mhd. üe bieten die Bezeichnungen ü und üt sowohl für den Diphthong als für den einfachen Vokal, für eine richtige Beurteilung Schwierigkeiten.

Wahrend des ganzen XV. Jhts. nun schwindet die Schreibung ü. Auch ue begegnet kaum : ich fand es nur zweimal in Tuchers Baumeisterbuch; vgl. oben S. 90. Sonst wird immer u geschrieben ; vgl. auch Muffels Gedenkbuch und Deichslers Chronik und die Polizeiordnungen des XV. Jhts., u. a. die Bettelordnung (1478) und die Hochzeitordnung (1485). Damit übereinstimmend ist die Schreibung ie für mhd. ie in den Ordnungen des 14. Jhts. und die Schreibung i in denen des 15. Jhts. (ausgenommen 1 X liechf). Auch Dürer kennt in den Handschriften und Briefen für mhd. uo nur u, für mhd. üe: ü, ü. Erst im Druck traf ich fortwahrend wieder & an; vgl. den Druck der Befestigungslehre 1528 (nach dem Exemplar in der Königlichen Bibliothek im Haag). Dieses & verdankt seine Existenz dem Drucker. Dürers eigne von mir im Nürnberger Stadtarchiv verglichene Handschrift kermt es nicht, ebensowenig wie die dort und im Dürerhause befindlichen Briefe an Pirkheymer.

Es liegt auf der Hand in dieser Wiedergabe der mhd. Diphthonge durch einfache Zeichen einen EinfluB der Kaisersprache anzunehmen. Steht doch die freie Reichsstadt durch ihre Stellung und durch die Reichstage fortwahrend mit der kaiserlichen Kanzlei in Verbindung. Und dennoch scheint es mir, daB der Grund wiederum nicht in der Kaisersprache, sondern in der Mundart gesucht werden muB. Die mittelhochdeutschen Diphthonge müssen nl. in der Nürnberger Mundart schon im 15. Jht. als Monophthonge gesprochen worden sein.

Bekanntlich haben sich diese mhd. Diphthonge in der modernen Mundart zu neuen Diphthongen entwickelt: mhd. ie wird zu oi (z. B. tief > toif); mhd. uo zu ou (z. B. vuoz > fous) und mhd. üe wird zu ei (z. B. vüeze > feis); vgl. Gebhardt a. a. O. § 78— § 80. Nur in der Kürzung (vgl. Oebhardt § 131) entwickelten sie sich zu den Vokalen ü, u, ü (i). Diese kurzen Vokale in der neuen Mundart nun weisen auf die Existenz langer Vokale, aus denen sie entstanden sein müssen, hin. Haben wirklich diese

Sluiten