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usw. (vgl. auch v. Bahder a. a. O. S. 187). Aus Sachsen können? also die haufigen Formen mit o vor Nasal und Kons. nicht stammen. Bayern schreibt vorwiegend u, erst 1506 traf ich öfter o* an (vgl. oben S. 92); Brandenburg u, jedoch oft konig, Sonnlag, gonnen, aber sunder; Nürnberg und Augsburg kennen anfangs nur u, um die Mitte des Jahrhunderts erscheinen auch Formen mit o. Betrachtet man nun den Oebrauch des o in den verschiedenen Kanzleien in der zweiten Halfte des Jhts. und die Übernahme des o in die kaiserliche Kanzlei im Zusammenhang damit, so steht wohl eins fest, nl. daB die kaiserliche Sprache unter mitteldeutschem EinfluB steht.

Die Frage bleibt jedoch ob dieser EinfluB ein west- oder ein ostmitteldeutscher ist. Beachtet man weiter, daB Thüringen und Sachsen die Formen mit o vor Nasal und Kons. nicht kennen, Böhmen die o- Formen überhaupt kaum gebraucht, dann muB man wohl auf einen westdeutschen EinfluB schlieBen. Im Rhein- und Mittelfrankischen ist o fur u auch vor Nasal und Kons. zu finden (vgl. v. Bahder a. a. O. S. 187). Trotz Pauls Bemerkung (Deutsche Qrammatik II § 76) „Schwerlich ist der Verfasser im Recht, wenn er, einer Anregung Brenners folgend, zu der Annahme neigt, daB o für u aus dem Nfrank. und Mfrank, durch Vermittlung der Kanzlei in die Schriftsprache gekommen sei; das würde in Widerspruch stehen mit allem, was wir sonst von der Entwicklung unsrer Schriftsprache wissen", kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daB Metzner in seinem Werke: „Nhd. o für mhd. u; ein Beitrag zur Oeschichte der mhd. Schriftsprache, Würzburg 1913" im Rechte ist.

Von einem EinfluB der Kaisersprache inbetreff der Frage: mhd. o und mhd. u, kann also gar nicht die Rede sein. Die Sprache der römischen Kanzlei Friedrichs erfahrt hier selbst den EinfluB des Mitteldeutschen. Erst unter Maximilian, als die Formen mit o dauernd in die Sprache der Kanzlei aufgenommen worden sind, könnte auch in dieser Hinsicht von einem EinfluB der Kaisersprache gesprochen werden. Zu Anfang des XVI. Jhts. kommen doch die Formen mit o vor Nasal und Kons. auch in der kursachsischen Kanzleisprache vor.

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