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leunden, Briefe, Ordnungen, Stadtrechte, Ratsverlasse, etc. sind vielmehr im Schriftdialekt geschrieben. Wie schon gesagt, hangt dieser Schriftdialekt, der zwar durch fremde Einwirkung beeinfluBt wird und auch selbst nach Angleichung an andre lokalen Schrift' sprachen strebt, naturgemaB mit der reinen Mundart aufs engste zusammen. Aus der Volkssprache ist er aufgekommen, aus der Mundart der sozial gehobenen Schicht, aus der die Stadtschreiber hervorgehen, muB er immer wieder frische Nahrung gewinnen. Deshalb stoBen wir in den schriftlichen Erzeugnissen dieser Zeit fortwahrend auf volkstümliche Elemente (Laute, Worte und Redensarten), die dem Verfasser unbewuBt aus der Feder flieBen. Diese volkstümlichen Elemente bilden das für die Kenntnis der Mundart zu verwertende Material.

DaB wir es hier wirklich gtnit volkstümlichen Elementen aus der Mundart des betreffenden Schriftdialektes und nicht mit fremden Eindringlingen zu tun haben, das soll die moderne Mundart lehren ; vgl. auch Braune Ahd. Orammatik S. VII j „Unstreitig sind für eine vollstandige historische Orammatik der hochdeutschen Sprache die neueren Mundarten unter die allerwichtigsten Quellen zu rechnen und auch für die ahd. Zeit (also sicher für die Zeit des 15. Jhts.) kann die mangelhafte Überlieferung vielfach daher erganzt oder erlautert werden."

Erst durch das Studium der Mundart, sowohl das der neuern v/ie das der Mundart aus dem ausgehenden Mittelalter, kann entschieden werden, ob neue Eigenheiten in irgend einer Kanzleisprache mundartlich oder durch fremden EinfluB erklart werden müssen. Für Nürnberg zeigte ich dies an einigen sprachiichen Erscheinungen, diebis jetzt dem EinfluB einer fremden Kanzleisprache, meistens der Kaisersprache, zugeschrieben zu werden pflegten.

So lange die Dialektforschung für diese Jahrhunderte noch nicht so weit gediehen ist, daB zuverlassige, eingehende Charakterisierungen der Mundarten in den Kanzleizentren vorliegen, kann von einem erschöpfenden Studium der eigentlichen Kanzleisprachen nicht die Rede sein. Auf diesem Oebiet ist noch auBerordentlich viel zu tun. Es gibt allerdings Beschreibungen von Kanzleisprachen in bestimmten Perioden aus der Übergangs-

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