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§ 405.

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wird, welche vor Ausbruch des Krieges oder innerhalb einer bestimmten Frist nach Ausbruch zur Abladung gekommen sind, schweigt der Vertrag mit Preussen über diese Frage, und es könnte an sich zweifelhaft sein, wie das zu verstehen war. Preussen mag allerdings den Standpunkt vertreten haben, dass neutrales Gut auch im feindhchen Schiffe nicht einziehbar sein soll. Dies ist schon darum zu vermuten, weil nicht lange darauf im Allgemeinen Landrecht der glei'che Grundsatz Anerkennung gefunden hat. Auch hat bei den Verhandlungen, die zu dem Vertrage von 1785 geführt haben, Preussen — worauf die Reklamanten zutreffend hinweisen — geradezu das Verlangen gestellt, dass statt des im amerikanischen Entwurfe vorgeschlagenen Satzes „unfrei Schiff, unfrei Gut" das Gegenteil „unfrei Schiff, frei Gut" ausgesprochen werde. Aber die Vereinigten Staaten sind hierauf nicht eingegangen, und es ist deshalb über diesen Punkt überhaupt nichts bestimmt worden. Damit entsprach die Rechtslage, wie sie durch den Vertrag geschlossen war, dem, was die „Bewaffnete Neutrahtat" von 1780 angestrebt hatte. Auch in deren Satzen hat nur die Regel „frei Schiff, frei Gut" Ausdruck gefunden, wahrend über das neutrale Gut im feindlichen Schiffe nichts gesagt war. Vielfach ist dies aber dahin ausgelegt worden, dass man sich gegen die Einziehung neutraler Güter im feindlichen Schiffe nicht strauben wolle. „Man hatte sich durch lange Uebung daran gewöhnt, die Konfiskation neutraler Ware an Bord feindhcher Schiffe als ein den Kriegführenden gemachtes Zugestandnis dafür anzusehen^ dass ' diese die Unverletzlichkeit feindhcher Ware auf neutralen Schiff en anerkannten." (Cauchy, Le droit maritime international, Bd. II S. 262.)

Gerade dieser Standpunkt ist es mm, den die amtlichen Stellen der Vereinigten Staaten von Nordamerika noch zur Zeit der Geltung des Vertrags von 1785 hinsichthch der Auslegung desselben eingenommen haben. Kein geringerer als der Staatssekretar Jefferson, der an dem Abscbluss des Vertrags von 1785 selbst beteiligt gewesen ist, hat sich in diesem Sinne ausgesprochen, als im Jahre 1793 Frankreich im Kriege mit England gegen die Vereinigten Staaten Beschwerde führte, dass England französische Güter in amerikanischen Schiffen aufbringe und die Vereinigten Staaten das hinnahmen. In der Note Jeffersons vom 24. Juli 1793, durch welche die Beschwerde als unbegründet abgelehnt wmde, weü nach allgemeinem Volkenrecht (Consolato del mar) feindliches Gut auf neutralen Schiffen der Einziehung unterliege, was nur eine Modifikation erleide, wenn durch Vertrag: „frei Schiff, frei Gut" vereinbart werde, heisst es:

„We have adopted this modification in our treaties with France, the Netherlands and Prussia, and therefore, as to them, om vessels cover the goods of their enemies, and we lose our goods, when in the vessels of their enemies." Obgleich in dem Vertrage mit Preussen nur der Grundsatz „frei Schiff, frei Gut" festgesetzt ist, nimmt somit der Staatssekretar Jefferson

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