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§ 486.

aber nicht erreicht, wenn man die Vermutung auf die Ware in ihrem gegenwartigen Zustande beschranken wollte ; denn die Bestimmung könnte dann leicht umgangen werden.

Bezüglich des Leinöls wird von der Reklamantin angegeben dass es ein Teil einer grosseren Abladung sei, welche sie in Holland zü dem Zwecke gekauft habe, sie in ihren Fabriken in Norwegen in Speisefett umzuarbeiten. Dass dieses Fett dem inneren Konsum in Norwegen habe dienen sollen, behauptet die Reklamantin nicht ; sie gibt vielmehr zu dass es zur Ausfuhr gebracht werden sollte. Aber sie will die Absicht gehabt haben, das Fett demnachst bis zum Ende des Krieges in Norwegen lagern zu lassen, um es dann an ihre friiheren Kunden, namentlich nach Deutschland und Oesterreich-Ungarn, zu verkauf en. Weiter hat die Reklamantin vorgetragen, dass der Anstoss zu dem Geschaft welches im ganzen den sehr erheblichen Posten von 6000 tons Leinöl umfasst von der Engüschen Regierung ausgegangen ist. Diese wollte den im November 1916 in Holland lagernden grossen Vorrat an Leinöl vernngert wissen und drangte deshalb auf Export dieses Artikels nach neutralen Landern.

Es kann ohne weiteres davon ausgegangen-werden, dass dieser von der Reklamantin angegebene Sachverhalt an sich zutreffend ist und dass auch die von der Reklamantin, im April 1917, dem N.O.T. [comp. § 497] und spater der Norwegischen Regierung gegenüber abgegebene Erklarung, sie woüe weder das Leinöl noch das aus demselben hergestellte Speisefett wahrend des gegenwartigen Krieges wieder aus Norwegen ausfuhren, damals in gutem Glauben abgegeben ist. Gleichwohl drangt die Gesamtheit der Umstande, insbesondere die Tatsache, dass das ganze Geschaft nur auf die dringenden Anforderungen der Englischen Regierung zurückzuführen ist, zu der Annahme, dass diese Regierung von der Absicht geleitet wurde, sich selbst das Leinöl oder das daraus herzusteüende Speisefett zu sichern. Es lasst sich auch nicht bezweifeln, dass die Englische Regierung die Mittel gefunden haben würde, sei es im Wege der Gute oder des politischen Drucks oder im Wege des Kompensationsverkehrs, dieses Ziel zu erreichen. Als die Reklamantin ihre Erklarung das Speisefett wahrend des Krieges nicht ausführen zu wollen ab'gab mochte sie von der Annahme ausgehen, dass der Krieg bald éin Ende finden werde, jedenfaüs konnte sie damals mit einer unabsehbaren Dauer des Krieges nicht rechnen. Es ist aber in hohem Grade unwahrscheinlich, dass sie, nachdem der Krieg sich so sehr in die Lange zog und immer weiter in die Lange zu ziehen drohte, ihre Produkte, die sie * ohnehin zur Ausfuhr bestimmt hatte, immer weiter auf Lager behalten die damit verbundenen Verluste auf sich genommen und die ausserge^ wohnhche Knegskonjunktur unbenutzt gelassen hatte, wenn sich ihr die Mögüchkeit einer solchen Benutzung bot. Für eine Ausfuhr kam aber nach Lage der Verhaltnisse und bei den nahen Beziehungen, in denen England wahrend des ganzes Krieges zu Norwegen gestanden hat, nur England m Frage, wo ein ausserordentücher Bedarf an Speisefett bestand. Das seit dem 4. April 1917 bestehende Ausf uhrverbot und die von

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