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Es ist hieraus ersichtlich, wie sich immer mehr die Schwierigkeiten der Mimicrytheorie anhaufen und ihre Bekampfer fortwahrend zunehmen, wahrend andrerseits manche Versuche die angeblichen mimetischen Erscheinungen auf andere Weise zu erklaren, ganz auf dem Holzwege sind, oder aber einseitig hierin nur die Wirkung eines Faktors erkennen. Denn, wie ich es in M. S. D. ausführlich gezeigt habe, viele und verschiedene Faktoren sind dabei im Spiele. Das ist z. B. der Fall, wenn Prof. glard in einem übrigens sehr lesenswerten Aufsatz ') über einen Naturprozess, den er Poecilogonie nennt, die auffallende, als Mimicry betrachtete Ahnlichkeit zwischen einigen Schmetterlingen — er nennt dort z. B. Euploea Midamus L. und Papilio paradoxa zlnck, welche jedoch für einen Kenner wohl keine Ahnlichkeit aufweisen — als eine solche erklaren will. Das ist ohne Zweifel unrichtig. Ebensowenig kann ich der Erklarung beistimmen, die neuerdings Prof. Dr. A. pauly in seinem in vielen Beziehungen ausgezeichneten, spater noch ausführlich zu behandelnden Werke 2) von den Schutzfarben und den schonen Farben von Pfauen und andern Vögeln besonders in der Paarzeit zu geben versucht hat, obgleich ich fürs Übrige, wie sich spater zeigen wird, seine vitalistische Betrachtungsweise doch in mancher Hinsicht teile. Das Bedürfnis, sich verbergen zu müssen, soll darnach sowohl bei dem Raubtier, wie bei dem gejagten Tier durch psychische Wirkung die IJbereinstimmung in Farbe mit der Umgebung physisch hervorgerufen haben. Nun, psychische Einflüsse solcher Art kann ich wohl annehmen; im IXen Kapitel von M. S. D. habe ich darüber gesprochen. Ich schrieb sie jedoch nicht dem Bedürfnis nach einer solchen Farbenanderung zu, ebensowenig wie bei hysterischen Personen, wie bei der bekannten louise Lateau z. B. die sogenannten Male der Kreuzwunden Christi durch das Bedürfnis darnach hervorgerufen wurden. Will man die schonen Farben und den Schmuck vieler Tiere in der

1) Bulletin Scientifique de la France et de la Bclgique, t. XXXIX (15 Juin igojJ.

2) Darwinismus und Lamarckismus. Miinchen 1905.

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