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voreilig den Sieg zuerkannte. Wenn er doch trotz aller nach seinem Urteil durchaus entscheidender Argumente anerkennen muss, dass es trotzdem unmöglich bleibe, die psychischen Erscheinungen — die er irrigerweise mit dem Bewusstsein verwechselt — auf mechanische Weise zu erklaren und er sich dann damit begnügt, die Erklarung der Zukunft zu überlassen, so glaube ich, dass in diesem Falie dieser Sieg auch erst in Zukunft erkampft werden kann. Auch die drei andern Gelehrten sind Antidarwinisten. Der erste und der letzte verstehen aber, ebenso wie ich, unter Darwinismus ausschliesslich die Selektionslehre und die damit verknüpfte chemisch-physikalische Aufïfassung der Lebenserscheinungen. Driesch versteht jedoch auch solche Erweiterungen der Descendenzlehre darunter, denen er nicht zustimmen kann. So spricht er z. B. von „jenem Phantasiegebilde, das sich Phylogenie nennt". Was die Abstammungslehre betrifïft, so wird diese zwar von keinem dieser Gelehrten ganzlich geleugnet, aber die ersten beiden halten sie doch für unbewiesen. Allerdings besteht in dieser Hinsicht zwischen ihnen noch eine ziemlich grosse Meinungsverschiedenheit. driesch nennt diese Lehre bloss wahrscheinlich und halt sie ofïfenbar noch für sehr zweifelhaft. Reinke nimmt sie dahingegen nicht nur durchaus an, sondern daneben sogar allerhand darwinistische Lehrsatze, die tatsachlich mit der Selektionslehre in engem Zusammenhang stehen und die ich denn auch ebenso für Irrlehren halte, wie z. B. die Bedeutung der Blüten im Dienste der Befruchtung durch Insekten. Dabei beschuldigt Reinke sich aber selbst, dass nur der Glaube und nicht eine logische Verstandestatigkeit ihn zur Annahme dieser Lehre gebracht habe.

Die Tatsache, dass beide Gelehrten, obgleich sie also im übrigen sehr verschiedener Aufïfassung sind, dennoch grundsatzlich in dieser Hinsicht übereinstimmen, ist ohne Zweifel wohl dem Umstand zuzuschreiben, dass beider Gedankengang ganz und gar durch die Fehlbegrifïfe in Hinsicht der Lehre vom Beweis beherscht wird, die oben auf S. 346 ff besprochen wurden. Wir stehen hier namlich vor einem schlagenden Beispiel für den Nachteil, der sich aus der Trennung von

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