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der ganzen Descendenztheorie geringen Wert zuerkennt. Aber eine plausible Erklarung der Tatsachen, auf die sich diese Auffassung stützt, findet man bei ihm nicht. Zu einem Studium der genannten Raupenevolution hat er sich natürlich nie die Mühe gegeben. Ich kann somit der Meinung Driesch', was dies anbelangt, keine besondere Bedeutung zuerkennen. Die Descendenzlehre muss vielmehr für denjenigen, der mit der wirklich wissenschaftlichen Beweisführungsmethode bekannt ist, wie sie sich besondcrs in der Rechtswissenschaft, wo sie eine so überwiegend praktische Bedeutung erlangte, entwickelt hat, auf Grund ebenso zahlreicher wie wichtiger Indizien auf dem jetzigen Standpunkt der menschlichen Kenntnis und Wissenschaft für bewiesen gehalten werden. Nur mit allerhand spater entwickelten Erweiterungen oder Anwendungen dieser Lehre, ist dies nicht der Fall, da zum Beweis derselben statt gültigen Indizien nur blosse Behauptungen oder sogenannte keineswegs genügend begründete Hypothesen angeführt worden slnd.

Reinke beschuldigt, weil es ihm an der genannten Kenntnis mangelt, sich hier selbst mit Unrccht. Tatsachlich nimmt er die Descendenzlehre aus ernsten, wissenschaftlichen Gründen an. Er ist im Irrtum, wenn er sie für baren Glauben halt. Glauben auf jedem Gebiete beruht immer auf Autoritat, nicht auf Verstandesgründen, und solche waren es doch, die ihn hier leiteten, wenn sie ihn auch nicht weiter brachten als zur .Wahrscheinlichkeit, denn was darüber hinausgeht ist für den Menschen und seine Wissenschaft unerreichbar.

So ist denn eine ungenügende wissenschaftliche Beweiswürdigung die Ursache, weshalb driesch der Descendenzlehre nur geringen Wert zuerkennt und z. B. die Bedeutung von dem Studium der Ontogenese für die Kenntnis der Phylogenese und also auch als Beweis der genannten Lehre völlig leugnet, und weshalb Reinke ihren wissenschaftlichen Wert nicht voll anerkennt. Ihr Mangel an Kenntnis der ebenerwahnten Beweisregel tritt in nicht geringern Masse auch in ihrer Bekampfung des Darwinismus und der damit verknüpften maschinellen Auffassung der Lebenserscheinungen

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