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sind, auch nicht dafür spricht. Ist man nicht zu der Annahme berechtigt, dass dem erblichen Einfluss des Alkoholismus und dergleichen, die man jetzt zur Erklarung anführen zu mussen meint, dabei doch, wenn sie auch die Empfindlichkeit dafür gefördert haben mögen, keineswegs eine so überaus wichtige Rolle zuerkannt werden muss, sondern die Ursache vielmehr darin zu suchen sein, dass das zentrale Nervensystem einer so ausserordcntlichen Tatigkeit nicht gewachsen ist, d. h. dass die Kapazitat des Gehirns den Anforderungen der Psyche noch nicht genügt? Was anderes bedeutet sonst das Gerede von Überladung des Gehirns, das man überall hört? Wenn die Psyche nur das Effect von Gehirnfunktionen ware, liesse es sich schwerlich verstehen, wie das Gehirn psychisch ungenügend arbeiten, wie eine solche Überanstrengung erfolgen könnte; wohl aber wird dies verstandlich, wenn umgekehrt die Psyche es ware, welche dieses Organ funktionieren liess. Die grosse Zunahme der Nervenkrankheiten, besonders des Irrsinns, die sich in der heutigen Kulturwelt konstatieren lasst, hat man gewiss wohl mit Recht auf den ausserordentlich unruhigen Charakter zurückgeführt, der das heutige Leben kennzeichnet. Umsomehr, weil das heutige Geschlecht dazu bereits erblich disponiert ist. Seit dem Ende des i8en Jahrhunderts hat die Zerstörung der bestehenden Anschauungen auf allerlei Gebiete und der Drang, sich neuen anzupassen und nach ihnen die Praxis des Lebens einzurichten, stets zugenommen. Diese Erscheinung halt jedoch bei der Mehrzahl der Menschen nicht gleichen Schritt mit einer eignen allmahlichen Entwicklung, sondern tritt durch gewissen suggestiven Einfluss und riick- oder sprungweise auf. Die bestehenden physischen Organe, besonders das zentrale Nervensystem, waren jedoch noch nicht geniigend entwickelt, um im Zusammenhang mit dem so veranderten und vermehrten psychischen Andrang richtig zu funktionieren. Demzufolge entstand ein morbider Zustand, der, weil dieselbe Ursache noch immer besteht und sogar zunimmt, in folgende Generationen erblich hinübergetragen, sich fortwahrend verschlimmert und endlich in bestimmten,

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