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stoss versetzt. Weiter ergiebt sich aus der Tatsache von der Identitat der psychischen Entwicklung mit derjenigen der physischen nun die wissenschaftliche Grundlage für etwas, auf dessen Wichtigkeit ich bereits wiederholt und besonders auf S. 398 ff. hingewiesen habe, das aber noch immer eines solchen festen Bodens entbehrte. Für die Notwendigkeit namlich, dass bei dem Studium von allerhand Erscheinungen, die sich bei der physischen Evolution wahrnehmen lassen, die des psychischen Lebens zur Vergleichung herangezogen werden müssen, wodurch also überaus wichtige Resultate erzielt werden können. Von solchen Erscheinungen der psychischen Entwicklung sind uns doch beim Menschen viele wohl bekannt oder lassen sich dort wenigstens besser als bei den Tieren studieren. Dieses Verfahren habe ich denn auch öfters angewandt; z. B. zur Verteidigung meiner Auffassung über die selbstandige, evolutionelle Veranderung einzelner Organe, die durch die korrelative Kontrolle des Organismus in seinem Ganzen oder diejenige andrer Organe nicht oder nur wenig beeinflusst werden. Ebenso zur Theorie der Vererbung erworbener Eigenschaften und zur Bekampfung der Lehre von dem Kampf ums Dasein und der daraus hervorgehenden Naturselektion. Das namliche lasst sich auch anderswo in weitem Umfang anwenden, und wird so eine Anzahl biogenetischer Erscheinungen aufklaren können, die jetzt noch dunkel sind, aber zu deren Lösung auf diesem Wege die meisten, die dieser Wissenschaft obliegen, sich jetzt für noch nicht berechtigt halten.

Auch geht hieraus das so wichtige Indiz über die Richtigkeit der Descendenzlehre hervor, das ich auf S. 407 andeutete. Für einen betrachtlichen Teil lasst sich doch der Verlauf der psychischen Evolution bei dem Menschen auf ethnologischem, historischem und soziologischem Wege ziemlich genau beobachten, und in diesem Teil der Stammesgeschichte der Seele, wie HAEKEL ihn nennt, offenbart sich nun die Entwicklung der höhern Zustande aus den niedern in so deutlicher Weise, dass sie unanfechtbar ist. Sie findet auch hier zwar in der Regel allmahlich, zeitweilig aber beschleunigt, jedoch immer in hohem Masse ungleichmassig

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