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Von noch grösserem Wert wird uns aber die Gestalt des Schu sein zur Erklarung der weiteren Geschiehte. Wenn im Dagontempel zu Gaza der geblendete Simson die beiden Hauptsaulen, zwischen denen er steht, umfasst und sie mit sich niederbeugend den Tempel zum Einsturz bringt, so ist das nur die lokale Specialisirung dessen, was der aegyptische Mythus von Schu erzahlt. Schu ist der Gott, der die Siiulen des Himmels erhebt '). Dasselbe wird ausgedrückt durch die Vorstellung, dass Schu des Morgens zwischen Himmel und Erde, die in der Nacht auf einander ruhen, gewaltsam eindringt, den Himmel emporhebt und sich als Stütze unter denselben stellt, so dass nun die Sonnenstrahlen sich entfalten können *). Die Kehrseite ist natürlich, dass des Abends mit Sonnenuntergang Schu dem Himmel wieder seine Stütze entzieht, so dass derselbe auf die Erde niedersinkt, also gewissermassen zusammenzustürzen scheint. Diese in der aegyptischen Mythologie heimische Vorstellung ist in jener alttestamentliclien Erzilhlung konkret verarbeitet, und zwar so, als ob der geblendete Simson zur Rache dafür, dass ihn die Feinde im Westen des Augenlichtes beraubt haben, den Tempel ihres Gottes Dagon habe zusammenstiirzen lassen. Die Grundlage dieser Erzahlung ist offenbar jener aegyptische Mythus von Schu als dem Erheber der Siiulen des Himmels, und dass dem so ist, wird dadurch noch besonders deutlich, dass auch Dagon ein Himmelsgott war, dessen Tempel oder Wohnung eben der von Schu getragene Himmelsdom gewesen ist3).

So batten wir die Hauptzüge der Simsonsage mit Hilfe der Gestalt des aegyptischen Gottes Schu, wie wir meinen, befriedigend erklart. Aber es bleiben doch noch mancherlei Fragen iibrig. Wie kommt es, dass die Sage Simson als einen der Richter Israels auffasst, dass sie ihn Ratsel aufgeben h'lsst, und von ihm erzahlt, er habe ein Geheimnis gehabt, das Geheimnis seiner Kraft, das ihm zu seinem

1) Cf. Wiedemann, a. a. O. S. 18.

2) Maspero, a. a. O. S. 160. 167.

3) Baudissin, Dagon, in Herz. Realenc. 3. A. IV. S. 426.

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