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war sie damals freilich noch viel zu kraftig. Wo immer noch die alte Freiheit und der erforderliche Wohlstand vorhanden waren, blühte auch die alte Kultur weiter. Das Illte Jahrhundert hat sehr bedeutende Philosophen und bildende Künstler erzeugt, die in würdiger Weise an ihre Vorganger anknüpfen. In der Dichtkunst ist der Rückschritt gegen das klassische Zeitalter sehr viel grösser, da ja die Poesie schon vor Anfang des hellenistischen Zeitalters stark hinter die Prosa zurückgetreten war. Der wirklich poetische Gehalt in den berühmten Dichtwerken des Uiten Jahrhunderts ist erstaunlich gering. Trotzdem tut man diesen Dichtern Unrecht. wenn man sie im Gegensatz zu denen des vorigen Zeitalters nur als Stubengelehrte und als Verfasser mühsam geschriebener Arbeiten hinstellt, die zu dem wirklichen, zeitgenössischen Leben in keiner Beziehung standen. Ware dem so, so bliebe der Erfolg unerklarlich, den diese in künstlerischer Hinsicht schwachen und unbefriedigenden W'erke in ihrer Zeit doch unleugbar gefunden haben. Das hat nicht nur ein verdorbener Zeitgeschmack, sondern hauptsachlich ihr Inhalt ermöglicht. Das umgebende Leben hat auch hier, wie so zu sagen immer, die Schriftsteller beeinflusst und inspiriert. Diese Tatsache scheint mir die moderne Wissenschaft noch nicht genügend erkannt zu haben. Man hat zwar gesehen, dass die damaligen Dichter, die ja meistens bei Hofe lebten, ihren Brotherren in ihren Schriften zu schmeicheln strebten und zu diesem Zweck gelegentlich politische Anspielungen machten, wie namentlich Kallimachos in seinen Hymnen. Man hatte weiter gehen und begreifen müssen, dass die Epiker des hellenistischen Zeitalters, obwohl in der Form vielfach von den Alten abhangig, ihr Interesse dennoch hauptsachlich der eigenen Gegenwart zugewandt haben. Der griechische Dichter ist der Verkünder des gegenwartigen Ruhmes seiner Stadt, seines Standes oder seines Fiirsten. Das Mittel aber, dessen er sich dazu bedient, ist von jeher die uralte, aber stets wandlungsfahige Sagengeschichte gewesen. Denn die Gegenwart, um die es sich für die Lebenden doch eigentlich allein handelt, darf vom Dichter nicht ausdriicklich in den Vordergrund geriickt

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