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verneint. Selbstverstandlich hat es daneben auch Verehrer des Nikander gegeben, die gerade einen grossen Xaturgelehrten in ihm sahen, wie er denn bei Suidas auch als IxTfós angeführt wird. Nun gab es, wie wir gesehen haben, eine sehr verbreitete Anekdote, nach der nicht, wie die Menge es glaubte, Aratos Astronom und Nikander Arzt gewesen, sondern umgekehrt, und ferner habe der Zufall es nun einmal so gefiigt, dass jeder von ihnen auf allerhöchsten Befehl auf dem Gebiete tatig sein musste, auf dem nicht er, sondern einzig der andere Bescheid wusste. Ofifenbar war der Zweck dieser Geschichte der, einen geschichtlichen Grund zu erfinden, weshalb beider Gedichte Spuren mangelnder Sachkenntnis aufwiesen. Es wird dies sogar mit einer Deutlichkeit ausgesprochen, die nichts zu wünschen übrig lasst: „und daher kommt es, dass beide auf dem Glatteis der technischen Details gestrauchelt sind." Was erwiderten nun darauf die Vertreter der gegnerischen Ansicht? Sie behaupteten zunachst, die Geschichte sei nicht wahr; aber damit war sie ja nicht aus der Welt geschafft. Sie behandelten sie also genau so, wie man sich mit einem unbequemen Mythus abzufinden pflegte. Sie nahmen die Anekdote herüber, aber ihre Spitze bogen sie um — wie wir das in der anderen uns erhaltenen Fassung sehen können. Darin heisst es namlich, Antigonos habe allerdings den zwei Dichtern Aufgaben gestellt, die gerade nicht für sie passten; aber da seien sie heimlich für einander eingetreten; und so erklart es sich (so lautete natiirlich hier die Schlussbetrachtung), dass in den betreffenden Gedichten alles Technische dennoch vollkommen ist.

Eine solche Anekdote muss noch zu einer Zeit entstanden sein, da die Frage nach der Kompetenz oder Inkompetenz des Aratos und Nikander auf astronomischem und medizinischem Gebiet noch lebhaft in Gelehrtenkreisen erörtert wurde, d. h. im Ilten oder im Isten Jahrhundert v. Chr. 1) Die in der Anekdote

*) Dass Cicero sie kannte, würde ich, obwohl es an sich sehr gut möglich ware, nicht mit Knaack (Herm. 1888, S. 3x3) auf Grund des de orat. I, 16, 69 Gesagten zu behaupten wagen.

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