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gieen zu fahnden, ich kann also nicht sagen, ob sich hier und dort noch etwas von dem, was ich andeutete finden wird; möglich ist es jedenfalls. Es stehen aber bei Hygin zwei zusammengehörige fabulae, die, obgleich es sich vielleicht nicht mit voller Sicherheit beweisen lasst, sehr wohl von Nikander herrühren könnten.

Mancher wird sich vielleicht zuerst darüber gewundert haben, dass Nikander, den man doch in seinem Alter fast auch als pergamenischen Hofdichter betrachten möchte, die Kriegstaten seines F ürsten und Gönners Attalos nicht besungen hat. Doch liegt der Grund dafür auf der Hand: abgesehen davon, dass es eigentlich nicht Sitte war, hatte auch das Talent des Dichters nicht dazu ausgereicht. zeitgenössischen Ruhmestaten, unter (leien ETindruck die damalige Welt lebte, in der Beschreibung gerecht zu werden. Aber etwas anderes hat man gewiss das Recht von ihm zu erwarten, namlich dass er der pergamenischen Sagengeschichte auch einiges Interesse zugewandt. Diese dreht sich. wie bekannt, hauptsachlich um die Gestalt des Telephos, und erfordert also vor allem die Schilderung der Verführung der arkadischen Königstochter Auge durch Herakles und ihrer und ihres Solmes weiteren Schicksale. Es ist das der Sagenkreis, der den Gegenstand der Darstellung auf dem pergamenischen I elephos-h ries bildet, dessen Rekonstruktion und Deutung dem Scharfsinne Roberts verdankt wird. Derselbe Gelehrte hat überzeugend nachgevviesen, dass die genannte Darstellung der pergamenischen Lokalsage folgt, so wie sie sich in der ersten Halfte des Ilten Jahrhunderts v. Chr. aus der klassischen Form der Sage entwickelt hatte (Arch. Jahrb. II (1887) S. 258 f.) I'iir die Rekonstruktion des Frieses haben sich die hier zu besprechenden fabulae des Hygin (99 und 100) als ganz besonders wichtig erwiesen.

Ueber die Quelle der darin in gekürzter Form enthaltenen Darstellung der Sage von Auge und Telephos ist bereits viel geschrieben worden. Wekkers Vermutung, nach der sie den Inhalt von Sophokles' Mysern wiedergeben, erscheint grundlos 1).

') Ribbeek, Röm. Trag. S.311; Pilling, De Telephi fabula, diss. Hal. 1886. S. 24.63; Robert, a. a. O.; Thraemer, Pergamos, S. 374 ff.

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