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inde ubi libatos irroravere liquores vestibus et capiti, flectunt vestigia sanctae ad delubra deae.

Der unbefangene I.eser gewinnt aus dieser Schilderung den Eindruck, dass der gemeinte Bach oder Fluss in der unmittelbaren Nahe des delphischen Heiligtumes floss. Schlagt er aber einen modernen Kommentar auf, so findet er folgendes: „Der Cephisus (Kytyrcï) entspringt im Gebirge des Parnasses bei der phokischen Stadt Lilaia und strömt in den kopaïschen See in Böotien." ]) Die Entfernung zwischen Lilaia und Delphi betragt aber sieben Stunden! Also hatte Ovid hier eine selbsterfundene Dummheit geschrieben? Aber andererseits, angenommen er hatte hier keine poëtische Vorlage gehabt, wie ware er dann darauf verfallen den Kephissos zu nennen? Kin persönliches Verhaltnis zu dem phokischen Fliisschen hat er wolil kaum gehabt. und das Wasser, das von allen Pilgern zu Reinigungs- und Sühnungszwecken in Delphi gebraucht wurde und dessen Namen allen Gebildeten gelaufig war, war doch das der kastalischen Quelle! Die richtige Erklarung unserer Stelle bietet Paus. X, 8, 10: v,y.yj7x §£ zxt x/.'/.c ra/svSf, r; vhxp rij Kx7tx?.Ix ttotx^bï/ SjDpsv sivxi tbü K»fCpio-oZ. tsjto è~siy,7s xx'i 'A/.xxïcï b 7rpcoi/u,tx tV 'Airóhhuvx kt/.. Dazu kommt jetzt auch das Randscholion zu dem neuentdeckten Paian des Pindar auf Delphi (Grenfell and Munt, The Oxyrhynchus Papyri, V, S. 41, Z. 7 f.: vixrt yxp tVi %x}mcitv/.x xix'j Kx7tx/.ix~ ...): jrVfi "/>tx %x?mzy }.eovTO%x[r(it,x]Tiuv 2) psï £h xjt(>p) ; I\y,cpt7i~. Mit den „kephissischen Gewassern" ist bei Ovid also eben die Kastalia gemeint. Aber er selbst hat das nun gewiss von sich aus nicht gewusst, ja ich zweifle, ob er die gelehrte Periphrase, der er sich bedient, verstanden hat; also muss er hier einen sehr ortskundigen Führer gehabt haben.

') Ich möchte hervorheben, dass ich den Haupt-Ehwald'schen Kommentar zu den Metamorphosen, den ich. wie alles derartige, stillschweigend zubenutzen pflege, nur deshalb an einigen Stellen zu verbessern suche. weil ich ihn sehr schatze.

s) So Wilamowitz, Berl. Sitz. Ber. 1908, S. 346, 1.

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