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nichts zu hören; crst die jüngcrc Tradition legte sich nacli ihrem Geschmack und Belicben jciie Yorfallc zureclit. Man kami sonach uur glauben, dass die Aufhcbung des heiligen Leichnams int Interesse der Assisiatischen Gemeinde vom General Johannes angoordnet oder wenigstens vollstandig gebilligt wurde; die meisten der dort ansassigen Brüder, selbstverstandlich nicht Elias allcin, batten siclier Theil an der Kenntniss des Gebeimplatzes. Will etwa Jemand diese fast egoistische Ilandlungsweise nicht gutheissen, so darf er doch keinesweges den Elias ausschliesslich dafiir verantwortlich machen.

Und welche Absichten sollte denn auch Elias gcrade bei der Geheimhaltung des Wunderkörpers verfolgt liaben?

Diese Frage führt uns auf einen Punkt, dem wil' uni so grössere Aufnierksamkeit zuwenden miissen, da wir liier die Widerlegung einer Ansicht versuchen wollen, welche einen so bedeutenden und gewissenhaften Vertreter in dem verehrten Kirchenhistoriker Carl Hase zu Jena gefunden hat. Nach sehr cingehenden Untersuchungen über die Geschichtc oder Sago der Stigmata des heiligen Franziskus glaubt dieser Gelehrte namlich — und mit ihm Voigt (pg. 55) — in Elias entioeder den directen oder indirecten Urheber derselbcn erbheken zu dürfenf>i).

Für eine weitlüufigere Recapitulation dieser so vielfach mit mehr oder minder ansprechendem Resultat behandelten Wundmalenfragc ist hier nicht der Platz; die Sache ist ziemlich dunkel und wird es wol immer bleiben, so lange nicht etwa eine zweite ahnliche Ersclieinung Gelegenheit zu nüchterner, gewissenhafter Beobachtung und Untersuchung bietet. Will man jedoch nicht voreilig die Stigmata des heiligen Franziskus ganz leugnen, so muss man sich streng an die altesten Nachricliten darüber halten und diese stellen die Male in einer Weise dar, welche von den Zeichen der übrigen sogenannten Stigmatisirten vollstandig abweicht: nicht ojfene Wunden hatte Franziskus an Handen und I1 üsson, sondern „nügelförmige I'lecken oder FleiscJuiuswiichse von der dunklcn Ttirbc des Eisensdie linke Seite freilich machte eine entsprechende Ausnahme. Man hat dafür die mannigfacbsten Erkliirungen von den vcrschiedensten Gesichtspunkten aus aufzustellen versucht; wol eine jede davon hat ihre Anhanger und Gegner gefunden54). Ich tttr meineu

53) Lies in Hase's „Franz von Assisi" die interessanten Kapitel: „XIII. Dio Wundmale" pg. 121 ff. und „Anhang. Untersuchung der Wundmale" pg. 143 ff.

M) Tholuck (Vermischfe Schriften. Erster Theil. Hamburg 1839) schreibt in dem Aufsatze über die „Wunder der kathol. Kirche" pg. 106: Sollte es wol undenkbar sein, dass in einem so disponirten ecstatischen Menschen (wie Fran-

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