is toegevoegd aan uw favorieten.

Die Wurzeln der kapholländischen Volksüberlieferungen

Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

zu Stellenbosch erinnere. Nun hatte diese ausscMessliche Beschaftigung mit Erbauungshteratur, die den Volkscharakter so tief ihren Stempel aufgedrückt hat, auch eine nachteihge Seite: sie ist dermassen zur zweiten Natur bei der Dürftigkeit der Bücherei geworden, dass dem Volk der Geschmack im allgemeinen verloren gegangen ist, eine Tatsache, die schon Stavobinus (Reise in 1770), Bobchebds Vater (um 1800) und Semple (1803) bestatigen; heute ist es das wichtigste Bemühen der Literaten, die Lust zum lesen wieder zu wecken und das Volk mit hollandischen Werken, die im vergangenen Jahrhundert schwer unter der englischen Konkurrenz gelitten hatten, zu versehen.

Aus dem bisherigen könnte man schon schliessen, dass die religiöse Auffassung noch streng biblisch und calvinistisch ist wie im 17. Jh.; Rechtglaubigkeit, verbunden mit asketischer Gemütsrichtung, ist die herrschende Ansicht. Die Bibel ist der Leitfaden und Wegweiser im taglichem Leben wie im Glauben, in der Politik, im Unterricht, im Rechte, und in der Denkart überhaupt ')• Der Pfarrer, der „Meneer" par excellence, ist der angesehenste Mann des Dorfes, was aber nicht verhütet, dass man sich zuweilen über ihn lustig macht; gerne erzahlt man sich z. B. folgendes: Ein Pfarrer erkundigte sich bei zwei Knaben nach einer Farm. „Nun", sagte der Dominie, „werde ich euch wieder den Weg zum Himmel zeigen". „Ach was", erwiderte der eine, „der weiss nicht einmal den Weg nach jener Farm, wie soll er ihm den zum Himmel zeigen?" — Das dritte Gebot wird strengstens innegehalten: es gilt als schlimmstes Laster, den Namen Gottes („die Groot Naam") leichtfertig auf die Lippen zu nehmen und nichts ist dem Ohre des Afrikaners schmerzlicher als solcher Missbrauch.Es hat sich eineigentümlicher Codex von Kraftausdrücke entwickelt,inwelchem manche Wörter, die dem Europaer ganz unschuldig klingen, als Flüche empfunden werden. „Allemachtig", „waarachtig" sind viel zu grob, man macht sie zu komischen Verkleineningswörtern: allemachies (auch holl.), allemapstieks, allemattie, mastag, wrachtie (waar); wrintig (holl. waarentig) wird wrintie; aus Here! wird „hede" (auch holl.); gedorie (waar), ndl. jandorie, hat seine Kraft verloren; die schhmmsten Schimpfwörter — donner, bliksem (als Naturerscheinung nur „blits"), bliksla[g]er, blikskottet (holl. blikskater), verdomd, moerneuker (d. h. Mutterschlager) — hört man nur bei grösster Aufregung. Wer auf seinen guten Ruf achtët, gestattet sich höchstens: kanal[j]ie va[ge]bond, niksnuts, pakkasie, verbrans, afgedans, und verabscheut anstössige („lehke") Wörter2); harmlos sind: oüekoek (im Holl. noch als Geback bekannt), askoek, askat oder asgat (auch im alteren hollandisch), aapstert; trekpot = trapsoetjes = stadige Daantjie (Faulpelz), windvo'el, donnerpadda u. s. w. (Ma.). Tjankbalie (Schreihals), Kaatjie Kèkelbek (Klatscher), nieuwskiedige Agie (vgl. Stoett, Ned. Sprw.) schimpfen sich die Kinder. Grobe Verwünschungen sind: gaat naar jou peet (Pate), naar jou moer = maai (Mutter), scherzend: naar die hoeners, die maan. Bezeichnend sind die vielen Euphemismen für „fluchen": bid, se[g]en, prijs, Engels praat, swets (auch zu Oud Alblas in Holl.). — Die Sprache zeigt daher eine gewisse Armut an jenen Kraftausdrücken, mit denen der Europaer seine Rede „würzt"; es ist interressant, die Verlegenheit des Afrikaners zu beobachten, wenn er sich anschickt zu schimpfen; er schwankt dann zwischén Arger und Anstand. Oder wenn er seiner Verwunderung Ausdruck verleihen will, rettet er sich mit Zusammensetzungen, die mit „alle" anfangen (vgl. Ma. auf: allemensig), mit Alla! (das

1) Einen feinsinnigen Vergleich zwischen orientalischen und südafi*. Boden und Lebensweiae Und der daraus entstandenen Lebensanschauung und Vorliebe für biblische Bildsprache macht T. III 345.

2) Vgl. P. 313. Lichtenstein machte die Erfahrung „dass man aus dem Munde eines Kolonisten nie ein ünanstandiges Wort, nie einen Fluch, nie eine übertriebene Beteuerung hört" (I 149).