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rungen des Strafgesetzbuches im Bundesrat und Reichstag durchgehen, welche das Reichsjustizamt plant und veröffentlicht hat. Dieselben sind von allen Gegnern des Alkoholismus mit Freude begrüsst worden, weil sie ein Mittel sein würden, über die Verantwortlichkeit der Trinker für die von ihnen begangenen Vergehen und Verbrechen richtigere Anschauungen zu verbreiten, und die Trinker nicht zwecklos in GefangenenAnstalten zu bringen, wo sie nicht geheilt, wohl aber haufig verdorben werden, oder sie ganz freizusprechen, weil sie betrunken gewesen sind.

Das neue deutsche Strafgesetzbuch soll den Richtern die Möglichkeit geben, Personen, die in der Trunkenheit Vergehen oder Verbrechen begangen haben, nur in T rinkerhei 1anstalten zu schicken, oder für sie, n a c h d e m sie eine Strafe im Gefangnis verbüsst haben, noch einen Aufenthalt in einer Trinkerheilanstalt vorzuschreiben.

Unser deutscher Verein gegen den Missbrauch geistiger Getranke hat eine Kommission aus Juristen, Verwaltungsbeamten, Psychiatern u.s.w. berufen, welche diesem Entwurf des Reichsjustizamtes eine etwas veranderte Form gegeben hat, dessen Annahme wir bei der Reichsregierung und dem Reichstag beantragen wollen. Hier folgt ein Auszug daraus:

§ 43.

Ist eine strafbare Handlung unter dem Einfluss des Trunkes begangen, oder ist Trunkenheit eine mitwirkendeUrsache gewesen, so kann das Gericht neben der Strafe dem Verurteilten den Besuch der Wirtshauser auf die Dauer von 6—12 Monaten verbieten. Dieses Verbot ist in öffentlichen Blattern bekannt zu machen.

Ist der Tater ein Gewohnheitstrinker, so kann das Gericht neben einer mindestens 2-wöchentlichen Freiheitsstrafe die Unterbringung des Verurteilten in eine Trinkerheilanstalt bis zu seiner Heilung, jedoch höchstens auf die Dauer bis zu 2 Jahren anordnen. Eine Entlassung auf Probe ist gestattet, und bei eintretender Trunkfalligkeit innerhalb bestimmter Zeit ist der Widerruf der vorlaufigen Entlassung zulassig. Diese Vorschriften finden auch Anwendung auf Personen, die in selbstverschuldeter Trunkenheit eine grobe

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