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holismus als Kampfmittel die Einrichtung von Trinkerfürsoi gestellen von einsichtigen Persönlichkeiten gefordert. Sie hatten allerdings einen sehr schwierigen Stand, um mit ihrer Forderung gegen die tief eingewurzelten Anschauungen der Mehrheit des Volks aufkommen zu können, welche in dem Trunksüchtigen nur einen verkommenen Menschen sah, für dessen Rettung Mittel aufzuwenden sich nicht verlohne, da von einer dauernden Besserung oder gar Heilung doch niemals die Rede sein könne. Ausserdem glaubte man, dass die von den Abstinenzvereinen entwickelte Tatigkeit im Kampfe gegen den Alkoholismus völlig ausreichend sein werde, um dem Trinkerelende, wo es sich zeige, zu steuern. Wie unrichtig diese Anschauungen gewesen, brauche ich an dieser Stelle nicht naher zu erörtern. Es sei mir j edoch gestattet aus meiner Tatigkeit bei der Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz hier zwei Zahlen anzuführen. Nach dem soeben erschienenen Geschaftsbericht für das vergangene Jahr 1910 sind vom Jahre 1905 ab, bis zum laufenden Jahre im Ganzen 930 Trijiker in Heilbehandlung genommen worden. Von den am 1. Januar 1911 beendeten 808 Kuren hatten nur 148 keinen Erfolg aufzuweisen, wahrend in den übrigen Fallen ein Erfolg erreicht war, wenigstens bei der Entlassung des Trinkers aus der Heilstatte. Die jahrliche Kontrolle der mit Erfolg aus Heilstatten entlassenen Versicherten, welche auf Anordnung des Reichsversicherungsamts 5 Jahre lang nach Beendigung der Kur vorgenommen werden muss, ergab, dass von den aus Trinkerheilstatten mit Erfolg entlassenen Trinkern sich noch 27 % abstinent gehalten, wahrend bei 38 % dauernd eine wesentliche Besserung gegen früher zu verzeichnen war.

Nun zum 2. Einwande, dass die Tatigkeit der Abstinenzvereine völlig ausreiche: Wir haben im Bezirk der Versicherungsanstalt Rheinprovinz allerorts sehr regsame Vereine des Guttemplerordens, des Blauen Kreuzes, des Kreuzbündnisses u.s.w. Aber trotz aller Anerkennung, welche man ihrer Tatigkeit zollen muss, spricht doch die einfache Tatsache, dass mit dem Jahre 1908,inwelchem in unserem Bezirk mit der Einrichtung der Trinkerfürsorgestellen begonnen wurde, die Zahl der in Behandlung genommenen Trinker aus dem Kreise der Versicherten von 58 im Jahre 1907 auf 168 hinaufschnellte, deutlich dafür, dass die Abstinenzvereine allein nicht im Stande sind, an die Falie von Trunksucht immer heranzukommen und dem Rufe der Angehörigen von Trinkern nach

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