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dieses aber immer nach den allgemeinen und besondern Anweisungen des Leiters der Fürsorgestelle.

Es ïst haufig die Forderung aufgestellt worden, dass der Leiter einer Trinkerfürsorgestelle nur ein Arzt sein solle. Hierbei ist man offenbar von dem (bedanken ausgegangen, dass die Trunksucht eine Krankheit und die Trinker daher nur Kranke seien. Infolge dessen hat man geglaubt, ebenso wie bei den Fürsorgestellen fur Tuberkulöse, Geisteskranke, Krüppel, Sauglinge, u.s.w. dem Arzte allein auch bei der Trinkerfürsorge die ausschlaggebende Stimme geben zu müssen.

Ich will hier meinen Standpunkt zu der Frage, ob der Alkoholismus eine Krankheit oder ein Laster ist, nicht prazisieren; jedenfalls hat die Praxis gelehrt, dass die Forderung, nur Aerzte als Lei ter der Fürsorgestelle für Trinker zu bestellen, als berechtigt nicht anerkannt werden kann. Ja selbst die geringere Forderung dass ein Arzt regelmassig die Sprechstunden^der Fürsorgestelle abhalten, bezw. dabei anwesend sein müsse, hat sich in der Praxis als noch zu weitgehend erwiesen. Wir hatten in der Trinkerfürsorgestelle in Düsseldorf, als wir im Jahre 1908 unsere Tatigkeit begonnen, 3 Aerzte, welche sich erboten, abwechselnd in den Sprechstunden anwesend zu sein. Alle 3 Aerzte erklarten bald unabhangig von einander, dass ihr EingreifenindieErmittlungen, welche die Fürsorger anstellten, so selten notwendig sei, dass ihre standige Anwesenheit in der Sprechstunde, oder überhaupt ihr regelmassiges Erscheinen in derselben völlig überflüssig sei. Wir haben uns daher damit begnügt, in den Fallen, in welchen krankhafte Erscheinungen besonders hervortraten, welche den Erfolg einer zu ergreifenden Massnahme in Frage zu stellen geeignet schienen, uns an einen der 3 Aerzte zu wenden, mit der Bitte nach einer L ntersuchung des Trinkers uns zu beraten.Wir sind auf diesem Wege gut gefahren. Im Uebrigen gehören die Aerzte dem Ausschusse der Trinkerfürsorgestelle an, wo sie ebenfalls uns mit Rat zur Hand gehen können und gehen. Wie mir von anderen Trinkerfürsorgestellen berichtet worden ist, hat man dort dieselbe Erfahrung bezüglich der arztlichen Mithülfe in der Trinkerfürsorge gemacht, wie in Düsseldorf. Man kann alsQ wohl mit Recht sagen, ohne eine arztliche Mithülfe kann eine Trinkerfürsorgestelle nicht richtig arbeiten, allein es genügt, dass der Arzt ihr im Allgemeinen zur Sei te steht, um in Einzelfallen ohne Weiteres um seinen Rat angegangen zu werden.

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