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Berlin, den 3. 11. 1911.

Sehr geehrter Herr Professor! Erlauben Sie bitte, dass ich Sie auf etwas aufmerksam mache, was sich vielleicht Ihrer Kenntnis entzieht: In der Usambara-Post erschien wiederholt eine Annonce, in der mit Ihrem Namen Reklame für ein Bier gemacht wird. Es liegt mir selbstverstandlich fern, daran Kritik zu üben, wenn Sie als tropenmedizinische Autoritat dem Bier in gewissen Fallen in der 'Therapie noch eine Bedeutung beimessen (obwohl nach meiner Ihnen wohlbekannten Anschauung alkoholische Getranke nicht als Heilmittel gebraucht werden können, völlig entbehrlich, ja sogar schadlich sind). Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dass die Wirkung der Annonce, wie sie hier steht, sehr ungünstig ist; denn sie erweckt in den Lesem den Eindruck, als hatten Sie, so wie es die Brauer tun, Bier als ein gesundes tagliches Getrank empfohlen, und beruhigen Bedenken, die sich gegen den Biergenuss geltend machen. Ich halte es für möglich, dass hier mit Ihrem Namen ein Missbrauch getrieben wird und dass Sie damit nicht einverstanden sind. Deshalb teile ich Ihnen dies mit und ware Ihnen für eine Aeusserung sehr dankbar. Sollte sich die Annonce vielleicht auf eine tatsachliche Ansicht Ihres verstorbenen Bruders beziehen, dann ware es ebenso wünschenswert zu hören, ob nach Ihrer Meinung Ihr Bruder heute nach den bedeutenden Fortschritten der Alkoholforschung seine Erfahrungen noch aufrecht erhalten würde und ob es nicht dem Geiste seiner Lebensarbeit geradezu widerspricht, dass sein Name jetzt von Alkoholinteressenten zur Empfehlung von Bier gebraucht wird.

Mit grösster Hochachtung

Ihr ergebener

Hans Paasche.

Professor Dr. Albert Plehn,

Dirig. Arzt der inneren Abteilung des Stadt. Krankenhauses am Urban.

Berlin, den 4. 11. 1911.

Sehr geehrter Herr Kapitanleutnant' Für Ihre Zuschrift mit Einlage bin ich Ihnen sehr dankbar, und ich eile, den Inhalt der Reklame-Annonce richtig zu stellen. Wenn mein Bruder oder ich selbst vielleicht vor vielen Jahren das Stasnybier einmal mündlich empfohlen haben, so kann das wohl nur im Vergleich mit anderem Gebrau geschehen sein, was noch unzweckmassiger ist. Jedenfalls hat mein Bruder wahrend der spateren Jahre seinen eigenen Alkoholgebrauch selbst auf das ausserste beschrankt; er wird ihn also auch wohl schwerlich Anderen empfohlen haben. Ich selbst warne in meinen Vorlesungen etc. stets ausdrücklich ganz besonders vor jedem Biergenuss, wenn ich sonst in der Alkoholfrage auch nicht ganz den extremen Standpunkt einnehme, den Sie vertreten. Bier ist nach meinen Erfahrungen ganz besonders geeignet, unter den physiologischen (resp. pathologischen) Verhaltnissen, welche heisse Klimata schaffen, Magenverstimmungen und Verdauungsstörungen hervorzurufen und dadurch den Boden für Dysenterieentwicklung etc. vorzubereiten. Wenn mein und meines verstorbenen Bruders Standpunkt Sie interessiert, so informieren Sie sich vielleicht in dessen Buch „Tropenhygiene" (3. Fischer, Jena), dessen 2. Auflage ich vor einigen Jahren neu bearbeitete. Ich ermachtige Sie ausdrücklich, von dieser meiner Meinungsausserung jeden Ihnen gewünschten Gebrauch zu machen.

Mit vorziiglicher Hochachtung

Ihr sehr ergebener

A. Plehn.

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