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tragisch nehmen. Wir Abstinenten können uns ja nicht beklagen, wir werden hier von den Massigen mit einer Liebenswürdigkeit behandelt, bei der mir ganz unheimlich zu Mute wird. Wahrscheinlich liegt das an der bestrickenden Persönlichkeit des Vertreters der Massigen, Professor Gonser.

Meine Redezeit ist abgelaufen. Ich sage also noch kurz: Die Organisationen, die die Gegenwartsforderungen derAlkoholgegner verwirklichen, die also verstandesmassige Realpolitik treiben müssen, die sollen neutral sein. Das „Wie" dieses Zusammenarbeitens wird sich nach den speziellen Verhaltnissen der einzelnen Lander richten müssen.

Dr. J. R. Slotemaker de Bruine, (Utrecht): Wiewohl es etwas sonderbar klingt, möchte ich mich mit den beiden Herren Vortragenden einverstanden erklaren und nicht nur der konfessionellen sondern auch der neutralen Organisation das Wort reden.

Wenn wir nur wissen, was „neutral" heisst.

Da sollten wir erstens nicht glauben, dass es ein Gebiet giebt oberhalb der verschiedenen Ueberzeugungen und Weltanschauungen und dass wir dasselbe neutral heissen dürfen. Dann ware der Glauben, die Weltanschauung das Untergeordnete, etwa sekundar, und könnten wir das Sekundare ohne Schaden bei Seite lassen und uns dem Wichtigeren, dem Primaren, dem Neutralen zuwenden, dem höheren Gebiete, wo die Ueberzeugungen nicht reden. Ein derartiges hohes Gebiet gibt es aber gar nicht; eine derartige Neutralitat ist keine Neutralitat sondern einfach Unglauben. Wo der Seelenreichtum des einen oder des andern bei Seite gelassen, d.h. negiert wird, sollte man nicht von Neutralitat reden. Das neutrale Gebiet liegt nicht oberhalb sondern unterhalb der anderen.

Dazu ein zweites. Wir sollten die Alkoholgegner nicht trennen in zwei Lager, das Lager der Konfessionellen und das Lager der Neutralen; denn das bedeutete: die einen haben eine Ueberzeugung, einen Glauben, eine Weltanschauung: die anderen haben keine. Das heisse: hier diejenigen, die mit voller Seele arbeiten; dort diejenigen, die leerer Seele sind. Das sollte kein Konfessioneller den Anderen zutrauen.

Denn wenn ich als evangelischer Christ auch herz-innig bedaure, dass nicht Jedermann seine Seele füllen lasst von Dem, Der

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