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I.

Das in unserer Zeit stets zunehmende Interesse am Geheimnisvollen regt nicht nur die Psychologie, sondern auch die Ethnologie und die Religionsgeschichte mehr und mehr an, und so ist es kein Wunder, dass die Geheimkulte des Altertums, die sg. Mysterien, in denen wir, nach dem treffenden Ausdruck eines der berufensten Forscher •) "das letzte Wort der heidnischen 2) Religionen zu finden hoffen" nicht an letzter Stelle Anlass zu tiefgehenden wissenschaft lichen Erörterungen geben. "

Und die Resultate, wie unvollkommen und widerspruchsvoll auch, sind von höchster Wichtigkeit. Denn diese Mysterien, deren Ursprung in graue Vorzeit zurückreicht, waren keineswegs, wie noch jüngst behauptet wurde, ein eitler "Mummenschanz,"3) sondern in der Tat ein "Hauptfaktor des geistigen Lebens der alten Welt."4) Im Laufe der Jahrhunderte sind sie mehr und mehr Zufluchtsstatten erlösungsbedürftiger Gemüter geworden und das bis zu ihrem Erlöschen, hart an der Grenze des Mittelalters, geblieben. Mogen auch einige Zeremonien uns anstössig sein und das Treiben mancher Conventikel unsern Unwillen erregen, so haben

1) G. Lafaye, Histoire du culte des divinités d'Alexandrie S. 108.

2) Richtiger: antiken.

3) J. Bel ocli, "Der Verfall der antiken Kultur" in Hist. Zeitsch. N. F. 48 (1900) S. 3. Dies erinnert uns an das wegwerfende Urteil, das oft in früheren Zeiten z.B. von L e i b n i z, Theodicee, Vorvv. 2 (Üb. Ilabs I S. 47) über die Mysterien ausgesprochen worden ist.

4) B ratke, "Die Stellung des Clemens Alexandrinus zum antiken Mysterienwesen" in Theol. Stud. Krit. (1887) S. 654.

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