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Liturgie der römischen und nicht minder die der griechischen Kirche ein entschiedenes Mysteriengeprage.')

Das Studium der antiken Mysterien ist ausserst schwierig, da wir — wie auch nicht anders zu erwarten ist — nur über zerbröckeltes und oft sehr sparliches Material verfügen.

Da man das Gelöbnis des Schweigens streng in Acht nahm,2) finden wir, über das Wesentliche, bei den Schriftstellern, die jenen Geheimkuiten zugetan waren, nur kurze Andeutungen und Gleichnisse in absichtlich dunkeln und nur den Eingeweihten verstandlichen Ausdrücken. Aber auch die christlichen Autoren, obwohl manche von ihnen selbst eingeweiht sein mochten oder doch von Eingeweihten, die zum Christentum überget.eten waren, Naheres erfahren konnten, sind - was freilich bei Religionskampfen nicht Wunder nehmen darf — rücksichtlich des Sachlichen nicht sehr mitteilsam und ergehen sich meist in grimmiger Polemik gegen ihnen besonders anstössige Zeremonien und Mythen.

Grosse Erwartungen haben die archaologischen Funde erregt und in der lat sind die Überreste der Heiligtümer von Eleusis und Samothrake, des Isistempels zu Pompeji und zahlreicher Mithraeen, die daselbst und auch anderswo gefundenen Denkmaler, namentlich Inschriften, von nicht geringer Bedeutung. Sehen wir aber naher zu, so ergiebt sich, dass die archeologische Forschung uns zwar über vicle Ausserlichkeiten, schwerlich aber über den Kern der Sache zu unterrichten vermag. Denn abgesehen davon, dass wir meist nur Bruchstücke finden, die uns öfters in neue Schwierig-

1) Vgl. Bonwetsch, Wesen, Ent. S. 295 flgg.

2) Ein trefTendes Zeugnis hiervon giebt u.A. Gregor v. Nazianz, der in seiner von 380 datierenden 27. Rede p. 5 seine Mitchristen ermahnt „das nicht Auszusprechende dem Gehör der Profanen nicht preiszugeben" und sich nicht beschamen zu lassen von den Damonenverehrern "welche eher von ihrem Blute, als, wo es gewisse Dinge gilt, von ihren Worten den Uneingeweihten etwas mitteilen wiirden."

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