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De Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap = Die Niederländisch-Deutsche Kulturgemeinschaft; orgaan der Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap, jrg 1, 1941, no 2, 1941

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Tage die Weltkarte für Politik, Verkehr und Handel. Sie konnte es auch sein. Dass auf ihr zum Beispiel Grönland unverhaltnismassig gross war, gross wie ein Kontinent, war belanglos. Diese Insel des hohen Nordens spielte keine Rolle. Heute, wo die wichtigsten Zufahrtslinien von Amerika nach Grossbritannien an ihr vorbeiführt, WO Grönland ein Stützpunkt der amerikanischen Marine und Luftflotte ist, liegen die Verhaltnisse anders.

Durch das Flugzeug wurde die Erde zu einer kiemen Kugel, und zwar zu einer sich in erschreckendem Maase standig verkleinernden. Menschen und Völker, die vor gamicht so langer Zeil noch kaum etwas von einander wussten, können heute im Verlauf von Tagen, ja Stunden in unmittelbare friedliche oder feindliche Berührung zu einander treten. Dazu kommt das Radio, das die gesamte Menschheit gleichsam in einem einzigen riesigen Auditorium versammelt. Natürlich sind das alles Binsenwahrheiten, aber nichtsdestoweniger muss immer wieder auf sie hingewiesen werden. Erst die wenigsten Völker, ja nicht einmal ihre Führer sind sich bereits restlos darüber klar geworden, was es bedeutet, dass heute zur gesamten Menschheit zu sprechen vermag, wer über den technischen Apparat verfügt.

Um es nochmals zusammen zu lassen: jede Diskussion über Weltpolitik, ja nur jede Ueberlegung der Schicksale oder Möglichkeiten eines Kontinentes, eines Landes, eines Volkes, beinahe möchte ich sagen, jeder Einzelexistenz, muss von der Tatsache, ausgehen, dass die Erde für uns eine kleine in allen ihren Teilen zugangliche Kugel geworden ist. Und überdies wird sie von Tag zu Tag kleiner.

Dazu kommt ein zweiter, kaum weniger schwerwiegender Faktor: unser Globus wird nicht nur standig kleiner, sondern auch standig voller. Die Menschheit vermehrt sich in unheimlicher, besorgniserregender Weise. Wir wollen uns einmal ein paar Zahlen ins Gedachtnis zurückrufen: Um Christi Geburt betrug die Bevölkerung des gesamten Imperium Romanum etwa 50 Millionen Menschen. 50 Millionen auf einem Raum, der die gesamten Mittelmeerlander umfasst einschliesslich Nordafrika und Vorderasien, dazu das heutige Frankreich und einen, erheblichen Teil des heutigen Deutschland. Heute nahert Italien allein noch sich dieser Einwohnerzahl.

Volle 1800 Jahre spater hat sich die Menschheit, verglichen mit dem Tempo der jüngsten Zeit noch nicht einmal so wesentlich vermehrt. Die Bevölkerung der westlichen Hemisphare hat sich inzwischen höchstens verdoppelt, da die weisse Einwanderung durch erfolgreiches Ausrotten der roten Ureinwohner zu einem erheblichen Teil wieder wettgemacht wurde. Alles in allem wohnten um 1800 in beiden Amerikas an die 25 Millonen Menschen, für den riesigen Raum eine lacherlich kleine Ziffer.

Auch die Bevölkerungszunahme im Dunkien Erdteil hatte sich dank der Sklavenjagden und Ausrottungskriege der afrikanischen Stamme untereinander in bescheidenden Grenzen gehalten. Die Gesamtbevölkerung Afrikas betrug ungefahr 75 Millionen, sie hatte sich also in 1800 Jahren nur verdreifacht.

In den drei Zonen, die in der folgenden Zeit die sterkste Bevölkerungszunahme haben sollten, sehen wir jedoch schon andere Ziffern. In Europa ohne Russland leben 150 Millionen Menschen, in Indien 200, in Ostasien 275. Das sind bereits erhebliche Menschen-

massen. Aber sie sind noch durchaus tragbar, gamessen an dem verfügbaren Raum. Dazu kommt noch, dass zum mindesten für die weisse Menschheit in der westlichen Hemisphare ein schier unbegrenztes Vakuum zur Verfügung steht, in das sie jetzt erst richtig abzuströmen beginnt.

Trotz der Massenauswanderung nach Amerika, die in einzelnen Jahren die Million erreicht, stieg bis 1900 die Bevölkerung Europas immer ohne Russland gereohnet auf 275 Millionen an. lm Verlauf eines einzigen Jahrhunderts verdoppelte sie sich also beinahe. Heute aber, nach nur vier weiteren Jahrzehnten, nahert sich die Bevölkerung Europas ohne Russland der vierhundertsten Million, wahrend im indisch-ostasiatischen Raum bereits 900 Millionen Menschen leben. Dazu kommt, dass die bisher offenstehenden Reserveraume sich gegen weiteren Zuzug abgesperrt haben, und sich ausserdem selber langsam zu füllen beginnen.

Auf der riesigen Flache zwischen dem eigentlichen Europa und dem eigentlichen Asien, dem eurasiatlschen Steppenkontinent, wie wir sie nennen wollen, lebten in zaristischen Zeilen um 1800 eiwa 25 Millionen Menschen. Heute beherbergt die Sowjetunion auf ungefahr dem gleichen Raum an die 200. Die Bevölkerung hat sich also im Verlauf von noch nicht anderthalb Jahrhunderten veraehtfacht.

Eine noch bestürzendere Vermehrung haben wir in der westlichen Hemisphare. Das europaische Haupteinwanderungsland, die Vereinigten Staaten zahlte im Jahre 1783, in dem die USA ihre Unabhangigkeit erkampft hatten, 2 Millionen weisser Einwohner, heute tast 120, also beinahe eine Versechzigfachung.

Das sind Ziffern, über deren Bedeutung man sich erst einmal klar sein muss, ehe man über Weltpolitik, Weltherrschaft oder Weltordnung überhaupt reden kann. Man muss sich darüber klar sein, dass der natürliche Bevölkerungshaushalt der Natur durch den Menschen gestört wurde. Oder wie soll man es sonst nennen? Jahrtausende lang bis in unsere Zeit standen Geburt und Tod in natürlichem Ausgleich zueinander, zum mindesten vermehrte sich die Menschheit nur in so bescheidenem Maasse, dass von der Gefahr einer Uebervölkerung der Erde nicht die Rede sein konnte. Heute ist diese Gefahr da. Oder vielmehr: Gefahr besteht für alle Völker und. Rassen, die sich nicht rechtzeitig klarmachen, dass in Zukunft nur die in jeder Hinsicht zahlenstarken Staaten bestehen werden.

Die sich daraus ergebende naheliegende Schlussfolgerung haben die deutschen Stamme gezogen. Sie schlossen sich zum grossdeutschen Reiche zusammen und zogen ihre weit vorgeprellten Aussenposten wie das baltische, das wolhynische und bessarabische Deutschtum wieder an sich heran. Der weitere Schritt der Bildung eines grossgermanischen Staatenbundes steht noch aus. Auch er wird gemacht werden, gemacht werden müssen aus der Zwangslaufigkeit der Entwicklungstendenz heraus, die auf der ganzen Erde nach der Bildung grosser natürlicher Lebensraume trachiet. Die dieser Entwicklung entgegenstehenden partikularistischen Tendenzen in den kleinen germanisohen Staaten, in denen heute noch Menschen glauben, auf Eigenstaatlichkeit nicht verzichten zu können, werden ebenso in Kürze überkommen werden wie noch vor wenigen Jahrzehnten die bayerischen, sachsischen oder österreichischen.