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De Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap = Die Niederländisch-Deutsche Kulturgemeinschaft; orgaan der Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap, 1942, 1942

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Nordische Zeichner

Zwei Meister der ober- und niederdeutschen Eide

Seele musiziert, indem sie zeichnet, ein Stück voh ihrem innersten Wesen heraus, und aigentlich sind es die schönsten Geheinmisse der Schöpfung, die, was ihre Grundlagen anbetrifft, ganzlich auf Zeichnen und Plastik beruhen, welche sie dadurch ausplaudern''.

Dari man nicht an diese Worte Goethes erinnern, betrachtet man die Zeichnung und Radierung zweier nordischer Kunstler der oberdeutschen und niederdeutschen Erde des Passauer Malers Wolf Huber und des Amsterdamer Meisters Rembrandt van Rijn ? Ohne Hemmungen eilt der Zeichenstift über den Grund; wir lesen in den Linien wie in den Zügen der Handschrift oder in den Furchen eines Antlitzes und verspüren einen Hauch der Seele, horen den Schlag des Herzens und fühlen uns warm, ganz persönlich, ja freundschaftlich angerührt.

Bei den deutschen Künstlern ist die Zeichenkunst, die Handzeichnung und Druckgraphik, Grundlage aller formkünstlerischen Gestaltung nicht nur im Sinne der studienmassigen Vorarbeit mit Hinblick auf das vollkommenere ,/Andere" im Tafelgemalde oder Wandbilde wie im Süden, bei den italienischen Meistern, denen die Zeichnung stets Durchgangsstadium ist und die Graphik im Verhaltnis sehr wenig bedeutet; vielmehr ist dem Nordlander das Zeichnen eine Lebensausserung wie Sprechen oder Singen, und wie das Lied aus menschlicher Kehle immer dem vollen orchestralen Klang gleichgeordnet sein wird, so bleibt dem deutschen Menschen das graphische Blatt ebenwertiger und oft höherwertiger Partner des Gemaldes.

Bei den verschidenen Stammen der grossen deutschen Erde erwacht in allen Jahrhunderten die graphische Begabung, diese lineare Willensführrmg in einzigartigen Künstlerpersönlichkeiten: Da steht einmal der Nürnberger Albrecht Dürer, zum anderen Male der Sohn des Niederlandes Rembrandt van Rijn oder dort der Donaulander Wolf Huber, hier Pieter Bruegel, Hercules Seghers —, oder Philipp Otto Runge und Gaspar David Friedrich aus Pommern, die Brüder Olivier aus Dessau (Vater Schweizer) und in den niederen Landen Vincent van Gogh. Auch die eminente Koloristik eines Jan van Eyck baut auf der graphischen Substanz auf, die in der berühmten Barbara-Zeichnung (Antwerpen) offen zutage liegt.

Abwechselnd sprechen die Vertreter der deutschen Stamme. Schweigen die mittel- oder oberdeutschen Meister, dann horen wir die Stimmen aus dem weiten niederdeutschen Stammesbereich. Bedingen auch Stammeseigenart, Landschaft, Zeitlage und Individualitat die Klangfarbe, die Spradhe ist doch im Grunde immer die gleiche: Das Deutsche.

Bedenkt man dies, so wird unsere Gegenüberstellung von