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De Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap = Die Niederländisch-Deutsche Kulturgemeinschaft; orgaan der Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap, 1943, 1943

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Freizeit muss als ein Teil des Dienstes angesehen werden. Auf Anspannung folgen Stunden der Erholung. Aber Freizeit kann nicht kommandiert werden, sie bleibt ausgefüllt oder unausgefüllt, je nachdem die sehöpferischen Krafte überwiegen oder zurückbleiben.

An einer kurzen Abendstunde am Meer, in einem Augénbliek des Wachestehens, wahrend einer gemütlichen Viertelstunde im Bunker, oder im Kreise der Kameraden, kann eine kleine Zeichs nung, eine Skizze oder eine Werkarbeit ents stehen. Wer lau und lassig ist, wird nicht vorwarts kommen. Aber unsere Kameraden wissen jede Minute auszunützen. Sie sind auch hier wach und pünktlich, sie wissen um den rechten Augenbliek. Natürlieh steht ihnen am Wochenende hin und wieder ein freier Nachmittag zur Verfügung. Eine Kommandierung führt sie vielleicht in ein nettes Stadt’chen, wo ein Spaziergang wertvolle Beute für das Skizzenbueh einbringt. Aber alles das ist nicht die Regel. Ein Soldatenalltag ist nicht bequem. Tags lich gibt es Umstellungen. Taglich heisst es: in Bereitschaft sein. Wochenlang gibt es keine Ruhe. Da brachte uns ein Kamerad eine Reihe ausge* zeichneter Aquarelle. Ihre Farbigkeit ist von einer dunkeldeuchtenden und trotzdem durchsiehtigen Sehwermut. Ein anderer Kamerad, der die Bilder sah, fand das sofort heraus. „Ja”, kam die Antwort, „leh kann nür abends nach Dienstschluss malen. Alle Bilder sind Abendbilder !” In der Tat, übers all letztes Licht, letzte Sonne, abendlich glühende Wolken, samtene Schatten im Grün, blasses Leuch* ten in den Wasserpartien, eine Feierabendkunst im wahrsten Sinne des Wortes. Ein anderer ist Nacht? arbeiter. Er bat einen wonderbaren Deckenleuch? ter für einen Unterkunftsraum geschnitzt. Bei einem Driften können wir sogar einen dienstliehen Auftrag nachweisen. Er soll den Festraum einer Stabskompanie mit Fresken ausschmücken. Ueber? haupt erweist sich, wieviel künstlerische Forderun? gen aus dem dienstliehen Bereich erhoben werden.

Ein Gebrauchsgraphiker macht ein Programm für einen Liederabend mit Holzschnitten; ein holz? geschnitzter Briefkasten, ein Wegweiser, ein Post? regal wird in Auftrag gegeben, oder ein Land? sehaftszyklus wird in einer Kunstdruckmappe ver? vielfaltigt, verdienten Soldaten eines Regiments für besondere Leistungen zum Geschenk gemacht. So manigfach können die Beziehungen zwischen Soldat und Kunst sein.

Sind es nun Berufskünstler oder sind es Amas teure, die ihre Bilder gebracht haben ? Beide ka» men und ihre Arbeiten halten sich in der Zahl etwa die Wage. Viele greifen eine alte Liebhabe? rei wieder auf. Viele sind jetzt, auf der Suche nach einer positiven Beschaftigung, dazu gekommen. Viele arbeiten in einer neuen Technik, die sie frü« her nicht gepflegt haben. Die Oelmalerei ist z.B. seltener geworden, es fehlt an Leinwand und Farbe und zeitraubende Techniken sind überhaupt in Frage gestellt. lm Vordergrund stehen das Aquas rell und die graphischen Künste. Es überwiegen so Momenteindrücke, Entwürfe, Studiën.

Aber aus dieser Not haben unsere Soldaten eine Tugend gemacht. Sie sehen viel Dinge ganz neu, mit ganz neuen Augen. Der eine malt ein Stilleben mit seinem Koehgeschirr, der andere zwei Stahh helme hinter Stacheldraht. Ein Bliek aus einem Bunkerausschnitt kann sehr eindrucksvoll sein. Hübsch ist es auch, wenn wir die ganze Reihe der Dienstgrade in lustigen Typen mit der Feder vors geführt bekommen. Natürlieh fehlen Portaits nicht: die Kameraden, ein charakteristischer Baus ernkopf oder ein Madchen in Tracht. In Lande der hochentwickelten Blumenzucht fehlen natürlieh auch die Blumenstücke nicht. Fast den grÖssten Raum nimmt die Landschaft ein. Holland ist die Wiege der malerischen Landschaftskunst und uns sere Kameraden wandern hier auch in den Pfaden alter Meister. Immer wieder locken sie Kanale, Grachten, Windmühlen, Deiche, alte Patrizierhaus ser u. Brücken. Ausschlaggebend ist überall die Art des Sehens, sachlich u. allen Eindrücken zuganglich, so wie es deutsche Weise von jeher gewesen ist.

Der Erfolg der Ausstellung war schon in den er? sten Wochen nach der Eröffnung ein ausserordent? licher. Die Anregungen, die aus der mit Absieht bunt und vielseitig gestalteten Ausstellung zur Truppe zurückgehen, sind dabei ebenso wichtig wie das ausserordentliche Interesse der niederlan? dischen Bevölkerung, die von der positiven Schaf? fenskraft des deutschen Soldaten im 5. Kriegsjahr stark beeindruckt wurde. So steht die Ausstellung im Schnittpunkt verdienter, wichtiger Gedanken. Einsatzraum und Heimat, Künstler und Soldaten begegnen sich in immer neuen Möglichkeiten ge? genseitiger Befruchtung und Anregung. Es zeigt sich, dass der Raum hinter dem Atlantikwall wehr? geistig und kulturpolitisch ausserst aktiv ist und dass diese Aktivitat auch für andere Küsten und Fronten Vorbild werden kann.