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De Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap = Die Niederländisch-Deutsche Kulturgemeinschaft; orgaan der Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap, 1944, 1944

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Do war Angst und Not, dann der Wind war gross und nit mehr dann 6 Personen in Schiff. Do sprach ich zum Schiffman, er sollt ein Herz fahen und Hoffnung zu Gott haben und nachdacht,. was zu tan ware. Sagte er, wann er den klein Segel kunnt aufziehen, so wollt er mit uns versuchen, ob er wieder mocht anfahrn. Also halten wir schwers lieh einander und brachten’s Schiff halb auf und fuhren wieder an. Und do die am Land sahen, die sich unser verwegen (uns aufgegeben) heften wie wir uns behulfcn, do kamen sie uns zu Hülf, und kamen so zu land.”

In Middelburg erregten das Rathaus und sein Turm seine Aufmerksamkeit. „Do ist ein übers köstlich sehön Gestuhl in der Abtei und ein lieh Porkirch von Stein und hübsch Pfarrkireh. Und sonst war die Stadt köstlich zu konterfeien.” Auch fallt ihm auf, dass auf den seelandisehen Ins sein der Erdboden tiefer liegt als der Meeres= spiegel.

Als er nach Zierikzee kommt, um den schwemmten Walfisch zu sehen, „da heft die For= tuna wieder weggeführt.” Die Flut hatte das Tier wieder an sich genommen.

Von Antwerpen aus machte Dürer Absteeher nach Flandern. In Brügge wurde er im Schloss der

Herzöge von Burgund festlich empfangen, in Gent gab die Zunft der Maler ihm zu Ehren ein grosses Essen. Hohes Lob spendet er in seinem Tagebuch dem Genter Altar und seinen Schöpfern Hubert und Jan van Eyck. Jeder Tag bringt ihm neue Ein« drüeke und neue Erlebnisse. Als er dann aber nach Antwerpen zurückkehrte, machten sich bei ihm die ersten Anzeichen der Krankheit bemerkbar, die er sieh vermutlieh in Zeeland geholt bat', ein sehleichendes Siechtum, dass sieben Jahre spater seinen To'd herbeiführte.

In diesen Wochen erreiehte Dürer eine Nachs richt, die ihn derart erregte, dass seine Tagebuehs eintragungen zu einer leidenschaftlichen Auseim andersetzung mit Gott und der Welt werden. Er vernahm, Luther sei gefangen genommen und nach Eisenach gebracht worden.

„O Gott, ist Luther tot, wer wird uns hinfürt das heilig Evangelium so klar fürtragen !” schreibt er nach einem inbrünstigen Gebet zu dem AIL machtigen, offenbar in der Annahme, dass der Reformator seine Gefangennahme nicht überlebe. Dann wendet er sich bezeichnend für die da« malige Wertschatzung des Humanisten mit foL genden Worten an Erasmus: „O Erasme Rodera* dame, wo willtu bleiben.... Hór’, du Ritter Christi, reit hervor neben den Herrn Christum, besehütz die Wahrheit, erlang der Martarer Kron !” Eras? mus mischte sieh indes nicht in den Kampf; er zog es vor, im Stillen für die Reformation zu ars beiten.

Albrecht Dürer: Erasmus von Rotterdam

Bevor Dürer zur Heimreise rüstet, erhalt er noch einen unerwartetcn, höchst ehrenvollen Aufs trag. Der danische König Christian 11., der Schwa< ger Kaiser Karls V., war nach seiner Flucht aus .Stockholm, wo er unter seinen Gegnern ein Bluts bad angerichtet hatte, in den Niederlanden anges kommen. Als er von der Anwesenheit Dürers in Antwerpen hörte, liess er den Maler kommen, lud ihn zum Essen ein und liess sich von ihm zeichnen; einige Tage spater machte Dürer ein Oelbild von ihm.

Am 12. Juli des Jahres 1521 tritt Dürer endlich die Heimreise an. Es geht über Brüssel und Maass trich<: nfch Aachen. ..Am Montag frühe führen wir durch Güleh (.Tülich). ein Stadt, und kamen gen Perckan, da assen und trunken wir und verzehrten •J Von dannen fuhren wir noch durch 5 Dörfer und kamen wir gen Cöhln.”

Hier endet das Tagebuch. Die Reise hat unges fahr 15 Monate gedauert. Der persönliche Zweek, den Dürer mit ihr verfolgte, hatte er erreicht, wenngleich es noch eine Weile dauerte. bis ihm die Leibrente tatsachlich ausgezahlt wurde. Künsts lerisch brachte sie ihm die Ersehliessung einer Weh. deren Reichtum er geahnt hatte, namlich den Einblick in die mannigfa'tige, aufgeschlossene und blühende Kultur der machtigen Niederlande. Das Tagebuch aber hinterliess der Naehwelt den Beweis für die starke ideelle Verbundcnheit des damaligen deutschen Kunstschaffens überhaupt.