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De Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap = Die Niederländisch-Deutsche Kulturgemeinschaft; orgaan der Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap, 1944, 1944

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gelaufigen Vorstellung gelost haben. Theater habe unmittelbar mit dem Worte etwas zu tun, erst wenn wir das Stegreiftheater deuten als die absolute mimische Kraft des Alenschen sieh aus« zudrücken, wird uns die ganze Belanglosigkeit dessen, was gespielt wird, selbstverstandlich. Dies Theater bedurfte der Stürzen durch das dichterh sche Wort nicht. Gab es jemals einen reineren Ausdruck des Theatralischen ? Deshalb kam es aueh auf gar keine allzu logische Verknüpfung ins nerhalb des Wortgefüges an. Wichtig war allein, zu Situationen zu kommen, in denen gespielt werden konnte, in denen der Mimus zum Ausdruck kam. Höhepunkt dieser Spiellust waren die sogenannten „lazzi”, von denen jeder Sehauspieler eine Anzahl zur Verfügung hatte. Sie waren ein stummes Spiel, das in den canavaggi, von denen gleich die Rede sein wird, etwa so angedeutet wird: „Er macht die Geharde des Geldzahlens”, oder: „Er macht das Spiel der Eifersucht”. Annahernd vergleichsweise bezeichnet heute der Film etwas ahnliches mit dem Wort Gag. Wir gewinnen in der Tat aus den uns überlieferten Stichen den Eindruck, dass es nicht auf das Was, sondern lediglich auf das Wie ankam. Die Wirkung der eommedia dell’arte he> ruhte auf dem Spiel der Komedianten. Gherardi und Rieeoboni, zwei Prinzipale der damaligen Zeit, schlossen daraus, dass es leichter sei zehn Schau» spieler für die regelmassige Komödie zu bilden als einen für die improvisierende.

Versuchen wir uns den Ablauf einer solchen Aufführung vorzustellen, so erinnern wir uns der anfangs angeführten Satze aus Goethes „Wilhelm Meister”, die sieher noeh aus der Erinnerung an eine nicht allzu fern liegende Zeit gesehrieben waren. Selbstverstandlich gab es für diese Stücke einen allgemeinen Grundplan. Der Inhalt stand in grossen Zügen fest. Es bestand eine Szeneneinteh lung, eine Verteilung der Auftrittsfolge für die einzelnen Personen. Ob dieses Szenarium bei dem althellenistischen Mimus „paegnium” hiess, in der italienischen commedia dell’arte des 16. Jahrhun? derts „eanavaggi” oder dann in Frankreieh „cane# vas” ist bedeutungslos, bezeiehnet es doch immer

den gleichenTatbestand, namlich einen nachlnhalt, Szenen und Auftritten gegliederten Fahrplan, so möchte man es fast nennen, des Stückes. In der Praxis sah das so aus:

Brighella tritt ein, sieht niemand, ruft.

Pantalone tritt ein, stummes Spiel: Furcht.

Brighella will seinen Dienst verlassen.

Pantalone schmeichelt sieh ein

Brighella lasst sieh erweichen und verspricht

Hilfe usw.

In diesem Augenblick:

Tartaglia horcht am Penster.

Brighella bemerkt es. Er macht mit Pantalone

das stumme Spiel des Reichtums.

Tartaglia kommt auf die Strasse. Er macht mit

Bild von einer Phlyakenvase, 3. Jht. v. d. Ztr.

Pantalone das stumme Spiel des Almosens.

Italienische Komödie von Claude Gillet (1673—1722)

Auf diese Art geht es Szene für Szene und Akt um Akt. In der Tat, man kann sieh nicht lakonis scher ausdrücken. Schon Gozzi, der der commedia dell’arte doeh noeh so nahe verbonden war, ja sogar fast noch in ihrem Stil schrieb, war es ratseb haft, wie aus einem solehen Nichts von Stoff ein Theaterstück entstehen konnte, das die Zuschauer drei Stunden lang unterhielt, wie daraus ein Theas ter seinen Ursprung nehmen konnte, das sieh in einem unerhören Siegeslauf die europaischen Höfe eroberte, dergestalt, dass Fürsten sieh um Patem stellen bei den Komödiantenkindern bewarben, dass Königinnen Briefe schrieben, worin sie die Komedianten baten, doch recht bald an ihren Hof zu kommen, dass Grosse im Reiche des Geistes Sonette dichteten auf verstorbene Komedianten. „Aus diesen Blattchen”, schreibt Gozzi in seinen Memoiren, „und aus etwa vierhundert andern eben» so gearteten, erwachst die eommedia dell’arte. Die gesehickten Sehauspieler, die die Rollen den ge« schic'kten Schauspielern nach dem Tode aus den Handen nehmen, genügen, um diesen Stoffen ewige Neuheit zu verleihen”. Flaminio Scala, der erste grosse Stegreifkomödiant, der mit seiner Truppe in der zweiten Halfte des 16. Jahrhunderts in Italien kreuz und quer zog, hinterliess etwa fünfs