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CAECILIA EN HET MUZIEKCOLLEGE

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weer voor Busoni opstellen, te meer waar het hier toch in elk geval om een persoonlijkheid gaat die niet met twee woorden neergehaald of verdedigd kan worden, doch ik wil nog slechts op eenige gedeelte's van den reeds genoemden brief wijzen, die misschien het hunne kunnen bijdragen tot een beter begrip en een hooger waardeering van zijne veelbestreden opvattingen. Eerst beschuldigt hij de „Kritiker fortschriftlicher Haltung", die tegenwoordig niet meer naar de waarde, maar naar de richting van een stuk zien; goede scheppingen van de oude richting verwerpen, slechte voortbrengselen van eene nieuwe vinding aanprijzen. „Es gibt aber eine Kunst, die „jenseits von Gut und Böse" steht, und die zu jeder Zeit eine grosse Kunst bleibt; vor der auch jene Kritiker fortschrittlichster Haltung instinktiv sich beugen: wie vor einem Bach, einem Beethoven, und — nolens volens — einem Wagner. Die Unterscheidung dieser Kritiker betrifft die Lebenden, und unter diesen wird messerscharf Gealtertes und Gegenwartiges getrennt, jenes abgelehnt, dieses proklamiert. Nun ist ein Stück nicht deshalb gut, weil es neu ist, und (dies ist das Lustige) es ist nicht deshalb neu, weil es ohne Form und Schönheit auftritt. Es gibt drei Handhaben des Neo-Expressionismus: die Harmonik, die Hysterik, die Temperament-Gebarde.

Die Harmonik kann nicht anders als von den uns zur verfügung stehenden zwölf Halbtönen schöpfen: alle möglichen Kombinationen sind versucht und angewandt worden. Charakteristisch bleibt nur die Entfernung der Konsonanz und die Unauflösung der Dissonanz. Damit ist die Harmonik als Ausdrucksmittel verkümmert und auch die Individualitat des Autors verwischt: mir wenigstens klingen alle neoexpressionischen Harmoniegebilde gleich, welchen Komponistennamen sie auch tragen (curs. van mij). Namentlich sind es die übermassige Oktave und die Quart-

intervalle, denen man überall begegnet.

Die „Hysterik" stützt sich auf kurze unzusammenhangende Formeln des Seufzens, des Anlaufnehmens, der eigensinnigen Wiederholung von einem oder mehreren Tonen, des Verklingens, des Anschlagens höchster Höhe und tiefster Tiefe, der Luftpausen und des Haufens verschiedener Rhythmen innerhalb eines Taktes: Alles brauchbare Ausdrucksmittel, sofern sie innerhalb einer Konstruktion ihren Platz angewiesen bekommen.

Die „Temperament-Gebarde" aussert sich vorzüglich im Orchestersatz, dem eine Schein-Polyphonie noch mehr Unruhe aufdrückt."

„Es gibt eine hübsche Anekdote, nach der der Schah von Persien bei einem Besuch im nebligen London gefragt worden sein soll, ob es wahr ware, dass man in seinem Lande die Sonne anbete. Soll der Schah erwidert haben: wenn Sie die Sonne kennten, würden Sie sie auch anbeten.

So liess mir einmal Stravinsky durch einen Dritten sagen, es befremdete ihn zu horen, dass ich die deutschen Klassiker bewundere. Darauf beauftragte ich den Dritten, Stravinsky zu erwidern: wenn er die deutschen Klassiker kennte, so würde auch er sie schatzen."

En even verder: „Die neue Harmonik aber könnte nur auf Grund einer ausserst kultivierten Polyphonie natürlich (d.h. vollends absichtslos) enstehen und eine Berechtigung ihres Erscheinens dokumentieren: dieses fordert eine strenge Schulung und eine überlegene Beherrschung der Melodik. Dieses System schlösse nicht aus, dass man die überlieferten harmonischen Wendungen beibehielte, wo sie am Platze stünden, wo sie einen Kontrast hervorrufen könnten; schlösse nicht aus, dass man für einfache Gedanken einfache Formeln benützte. Und es ist fürwahr ein Unterschied, ob man einen schlichten „Guten Morgen" in Musik setzt, oder einen ironischen oder gar feindselig empfundenen

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