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lich der modernen Produktion seiner Laudsleute gewidmefc war. Seine Veraustaltung begegnete dem lebhaften Interesse der ersten musikalischen Kreise unserer Stadt und hatte, dank namentlich auch der ausgezeichneten Art und Weise, in der Herr Ingenhoven seine Gedanken zur Ausführung brachte, einen sehr schonen Erfolg.

Von den Komponisten die man bei dieser Gelegenheit kennen lernte, machte der starksten Eindruck: A. Diepenbrock und J. Wagenaar. Jener mit seinem zwar merklich vom Bayreuther Meister beeinflusster und wohl auch im OrkesterVor- und Nachspiel etwas all zu lang gedehnten: „Vondels Pahrt nach Cöln", dieser mit seiner frischen und lebendigen Ouverture zu „Cyrano von Bero-erac". Diese beiden Künstler sind zweifellos ausgesprochene Talente, und wenn wir uns freuen dürften, die gute Meinung, die man von Diepenbrocks Schaffen in seinem Vaterlande hegt und deren Widerhall auch schon zu uns herübergedrungen war, in jeder Hinsicht bestatigen zu können, so war er nicht minder interessant in Wagenaar, der uns nicht einmal dem Namen nach bekannt gewesen war, ein so erfreuliches und liebenswürdiges Talent zu finden. Gogen diese beiden trat der auch in seinem Schaffen stark französisiert anmutende K. Smulders nicht unwesentlich zurück. Seine symphonische Dichtung: „L'Aurore le jour, le erépuscule" ist geschickt instrumentierte und angenehm klingende Stimmuugsmalerei, aber ihr spezifisik musikalischer Gehalt wiegt nicht allzusehr, weder hinsichtlich der Erfindung, doch auch bezüglich der Arbeit und Gestaltung. Auch das Gebet für Cello und Orkester „Rosch Haschana" besagt nicht eben viel, aber es gab dem tüchtigen Solocellisten des Kaimorkesters, Herr C. van Vliet Gelegenheit, sich wohlverdienten Applaus zu holen. Herr Ingenhoven leitete das Kaimorkester mit einer Umsicht, Sicherheit und temperamentvollen Lebendigkeit, die das höchste Lob verdien ten. Er ist eine ganz ausgesprochene Dirigentenbegabung. Ob auch eine Komponistenbegabung — das möchte ich nacli der einen Probe, die man hörte nicht entscheiden. Seine Komposition des Nietzscheschen: „O Mensch, gib Acht", zeugt jedenfalls von ernstem Wollen und gutem technischen Können. Schliesslich darf ich nicht des mitwirkenden Bass-Baritonisten Herrn G. Zalsman vergessen. Das ist ein Siinger, wie wir deren in Deutschland nur allzuwenige haben, gleich ausgezeichnet durch stimmliehe Begabung und hervon-agende Gesangskunst. Auch er trug zu dem prachtigen Gelingen des interessanten Abends ein Wesentliches mit bei.

München, Mei 1906.

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