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Sprachgefühl éine Kategorie, ebenso wie z. B. im Niederlandiscben, das im lebendigen Sprachgebrauch keinen Konjunktiv mehr besitzt, sondern Indikativformen an seiner Stelle verwendet. Und wenn die alten Preussen noch einen Unterschied empfunden haben sollten, I72) so liesse sich doch jetzt die Grenze zwischen den beiden Kategorien nicht mehr feststellen, — umso weniger als Will sich bei seiner Uebersetzungsarbeit oft von seinem deutschen Sprachgefühl hat leiten lassen und wir nicht wissen, wie er in finalen und andern Nebensatzen diejenigen deutschen Verbalformen aufgefasst hat, die formell ebensogut Indikative wie Konjunktive sein können. ,73)

Wenn wir für die auf sekundare Personalendungen ausgehenden, in indikativischer und bisweilen in konjunktivischer Funktion gebrauchten Formen den Namen Indikativ und nicht den Namen Injunktiv verwenden, so heisstdas, dass wir uns bei der Klassifizierung der altpreussischen Modusformen nicht durch formelle, sondern durch funktionelle Kriteria leiten lassen, und dass wir uns auf den Boden der altpreussischen Sprache und nicht der indogermanischen Grundsprache stellen. Es fragt sich dann aber weiter: dürfen wir überhaupt noch von einem preussischen Injunktiv reden? Ich glaube, dass wir den Namen besser vollstandig aufgeben. Optative wie boülai können zwar als erstes Glied einen indogermanischen Injunktiv enthalten, aber vom Standpunkte der preussischen Sprache sind sie ohne jeden Zweifel Optative oder etwa Konjunktiv-Optative oder Potentialitatsmodus; auf den Namen kommt es ja nicht an. Die preussischen Imperativformen entstammen bekanntlich teilweise dem indogermanischen Optativ, teilweise dem Injunktiv; l74) Injunktive sind ohne Zweifel teiks, milijs usw. (s. Berneker 226, Bezzenberger aaO. 110 ff., Trautmann 283), von welchen die Pluralformen dtnkauti „danket!", milijti „liebet!" usw. nicht getrennt werden können. Aber im Rahmen der altpreussischen Grammatik sind all diese Formen Imperative, ebensogut wie dais, etirais,

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