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methodischen Fehlern geführt hat. Man übertrug namlich die naturwissenschaftlichen Ziele und Methoden auf die geschichtliche Forschung und übersah, daB das direkte Ziel der letzteren nicht die Auffindung von allgemeinen Qesetzen, sondern die ErkennÖlis der einzelnen Tatsachen und Tatsachenkomplexe in ihrem kausalen Zusammenhange ist. Man übersah ferner, daB in den Naturwissenschaften vielfach oder meist das Oesetz der Einfachheit die Entwicklung und Bewegung der Körper regelt, wahrend bei den geschichtlichen Erscheinungen dieses Oesetz nur in beschrankter Weise sich bemerkbar macht und daB deshalb jede Erscheinung und jede Phase für sich der Forschung unterworfen werden muB.

Ein anderer Grund für viele fehlerhafte Hypothesen der Neuzeit lag in der Anwendung des Zirkelschlusses, der nach dem Vorgange von FChrBaur offen von ARitschl (Die Entstehung der altkatholiscken Kirche1 [18571 1) empfohlen wurde, da es nicht zu umgehen sei, dafi die Qesamtanschauung der Periode, welche erst hypothetisch aus der Analyse der einzelnen Schriften hervorgehen soll, vidmehr schon als Basis der Untersuchung derselben sichgeltend macht. .

Ein weiterer Fehler wird sehr haufig dadurch begangen, daB nicht genügend begründeten Hypothesen bei der Forschung eine sichere Beweiskraft eingeraumt wird, die sich zuweilen auf weite Forschungsgebiete erstreckt, wie es z. B. bei manchen Hypothesen über die Entstehung und den innern Gehalt von Mythen der Fall ist.

192. 4. Regeln für die historische Hypothese. 1. Man stelle eine Hypothese nie ohne genaue Einsicht in das zugangliche Forschungsmaterial auf.

2. Man stelle keine Hypothese ohne Wahrscheinlichkeitsgründe auf; diese Gründe sind genau zu bewerten und gegen die Gründe der Gegenannahme genau abzuwagen.

3. Widerspricht eine Hypothese auch nur einer sichern tatsache oder Quelle, so ist sie preiszugeben.

4. Man strebe danach, die Hypothese stets durch neue Gründe zu stützen und, wenn möglich, zur Sicherheit zu erheben.

5. Nie fehle der Hypothese die zentrale Einheit, auf die alle Elemente der in Frage stehenden Tatsachenreihe bezogen werden können.

6. Je vielseitiger und verwickelter die Tatsachenkomplexe sind, desto gröBere Vorsicht Ist bei der Handhabung der Hypothesen geboten.

7. Stehen sich mehrere, besonders latende Hypothesen, gegenüber und ist keine als direkt unhaltbar zu erweisen, so muB versucht werden, einen Ausgleich zwischen ihnen herzusteilen; es wird dann zuweilen, wie z. B. bei den Hypothesen über die Verfassungsentwicklungen des Mittelalters und der Neuzeit, der Fall eintreten, daB jede eine gewisse partielle Geltung erhalt.

8. Sehr groBe Vorsicht erheischen alle Hypothesen, die über die unbekannten Wirkungen einer historischen Tatsache aufgestellt werden, weil eine freie Ursache eben sehr verschiedene Wirkungen haben kann.

§ 3. Historische Induktion nnd Statistik.

193. Lit.: ACastelein SJ, La méthode des scienceshistoriques (1901)83 sqq; JGeyser, Qrundlagen der Logik und Erkenntnislehre (1909) 362 ff; ChSigwart, Lonk 2* (1911) 418 ff; ASteuer, Lehrbuch der Philosophie 1 (1907) 110 ff; GMayr, Die Oesetzmdfiigkeit im Gesellschaftsleben (1877) 10 ff; ders., Statistik der QeseUschaftslehre 12 (1914); CGutberlet, DU Wülensfreiheit und ihre Qegner* (1907) 41 ff; HPesch SJ, Lehrbuch der Nationalökonomie 12 (1914).

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