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ermöglicht uns zu beurteilen, ob die Quellen als historische Zeugnisse überhaupt zuzulassen sind, welchen Grad der Erkenntnis sie hinsichtlich der berichteten Tatsachen bieten, ob einen sichern, wahrscheinlichen oder nur möglichen Grad der Erkenntnis, und sie ermöglicht uns auch, die gesichteten und bewerteten Quellen mögiichst in ihrer ursprünglichen Gestalt der Benützung dienstbar zu machen. Das nachste Ziel der Quellenkritik ist also die Prüfung der Mittel für die Erkenntnis der historischen Fakta oder die Prüfung der historischen Quellen, das letzte Ziel ist die Prüfung der Tatsachlichkeit der historischen Fakta selbst Wir können die Quellenkritik demnach kurz definiëren als die systematische Summe von Grundsatzen und Regeln, nach denen die Tatsachlichkeit und der Wert der historischen Quellen geprüft wird, die Quellen nach Möglichkeit in ihrer Urform hergestellt werden und schlieftlich die Tatsachlichkeit der historischen Fakta selbst geprüft und beurteilt wird.

205. 2. Die Quellenkritik hat also eine dreifache Aufgabe zu Iösen. Sie muB anleiten zur Beurteilung der Tatsachlichkeit der einzelnen Quellen, zur exakten Bereitstellung der Quellen für die Forschung, zur Beurteilung der Zuverlassigkeit der Quellen oder der Tatsachlichkeit der historischen Quellendaten selbst. Den zwei ersten Aufgaben wird die Quellenkritik gerecht durch die sog. aafiere Kritik, welche erstens die Tatsachlichkeit (Echtheit) der Quellen und die Umstande ihres Ursprunges naher bestimmt (höhere Kritik) uud zweitens die Integriteit der Quelle, d. h. ihre ursprüngliche Form nach Möglichkeit festzustellen sucht (niedere Kritik)- Die dritte Aufgabe erfüllt die Quellenkritik durch die sog. innere Kritik, welche die Glaubwürdigkeit der Quellen erst aus diesen selbst bzw aus der Autoritat der Zeugen und sodann aus anderen inneren oder au Beren Gründen prüft

206. 3. Als besonderes Ziel verfolgt die Quellenkritik—und darin liegt ihr Hauptwert als Erkenntnismethode—die Aufstellung von Grundsatzen und Regeln, um uns eine wahre und sichere Erkenntnis geschichtlicher Tatsachen zu vermitteln. In Thesenform ausgedrückt lautet dieses hauptsachlich angestrebte Ziel der Quellenkritik also: Die historischen Quellen können uns, wenn sie gewissen von der Quellenkritik gestellten Anforderungen entsprechen, oft Qewifiheit über geschichtliche Tatsachen verschaffen. Die Form des Beweises ist kurz diese:

Damit eine historische Quelle uns OewiBheit über eine von ihr berichtete Tatsache vermittle, müssen erwiesen sein: 1) die Tatsachlichkeit der Quelle, d. h. ihre Echtheit (Authentie) und ihre inhaltliche Unversehrheit (Integritat), 2) ihre Glaubwürdigkeit im konkreten Falie.

Nun kann aber in vielen Fallen mit Hilfe der Regeln der Quellenkritik jedes dieser Momente mit Sicherheit festgestellt werden. Also.

207. 4. Mit Recht wird die Feststellung der drei Elemente in ihrer Gesamtheit verlangt, weil die Nichterfüllung auch nur eines jener Momente die GewiBheit der Erkenntnis der historischen Tatsachen in Frage stellt Mit der Echtheit ist namlich noch nicht die Integritat

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