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papstlichen Kanzlei (Uber diarnus) usw. Für die Kritik und die Interpretation der Urkunden ist der Erweis der Benutzung solcher Formulare von groBer Bedeutung, weil wir so bestimmen können, ob die ausgesprochenen Bezeichnungen (Titel) oder Gesinnungen (Pietat, Demut und dgl) AuBerungen spontaner Natur oder nur formelhafte Wendungen sind.

273. 3) Von weitgehendster praktischer Bedeutung ist die Feststellung der Ursprünglichkeit bzw Abhangigkeit der Quellen ferner auf dem Gebiete der schriftlichen referierenden (und bildlichen) Tradition. Streng genommen ist eine schriftliche UrqueUe nur der Bericht von unmittelbaren Augen- oder Ohrenzeugen der betreffenden Tatsachen; doch nennen wir auch hier vielfach UrqueUen auBerdem alle zeitgenössischen Berichte, die auf der unmittelbaren Anschauung anderer Zeitgenossen beruhen. Für schriftliche Quellen, die in Beziehung der Abhangigkeit stehen, verwenden wir mit Vorliebe den Ausdruck verwandte Quellen.

274. 2. Umfang der Quellenanalyse. Wül die Quellenanalyse ihre Aufgabe voll erfüllen, so muB sie die gesamte uns bekannte .Überlieferung über die Periode, von der die fragliche Quelle handelt, untersuchen. Die Aufgabe wird um so gewaltiger, je gröBer das Quellenmaterial ist, dessen einzelne Zeugnisse nach ihrem Verhaltnis zu den Urquellen zu prüfen sind. Eine isolierte Betrachtung von einzelnen Teilen des Quellenwerkes würde leicht zu falschen Schlüssen führen, weil bei vielen Berichterstattern die Art der Quellenbenützung nicht die gleiche bleibt: oft trift namlich in spateren Partien ein Erlahmen des Eifers und damit ein engerer AnschluB an die Vorlagen ein.

Die Quellenanalyse hat aber nur dann Wert, wenn die Scheidung der Quellen sich mit einiger Wahrscheinlichkeit durchführen laBt; sonst besitzt sie nicht historische, sondern rein literarische Bedeutung, so z. B. in Fallen, wo die fragliche Quelle fast ausschlieBlich aus Namen besteht (die Geographie des Ptolemaios) oder wo die Vorlage eine in ihrer Kürze unzuverlassige Epitome einer verlorenen Quelle (z. B. mancher Bücher des Livius) war oder wo die Vorlage eine untergegangene und darum in ihren Bestandteilen unerreichbare Mischquelle (z. B. Sammelwerk über Alexander den Grofien) bildete.

275. 3. Prinzipien der Quellenanalyse. Die Methode der Quellenanalyse beruht besonders auf drei psychologischen Erfahrungssatzen und der Anwendung des henologischen Prinzips.

1) Wenn mehrere Menschen ein Ereignis oder einen Ereigniskomplex beobachten, so ist Umfang und Inhalt der Beobachtung und Auffassung nicht bezüglich aller Einzelheiten, besonders nicht bezüglich der mehr zufalligen, dieselbe.

2) Wenn mehrere Menschen denselben Vorstellungsinhalt anderen mitteilen, so ist der (sprachliche) Ausdruck der Mitteilung nicht derselbe.

3) Derjenige, der einen bereits von anderen bestimmt formulierten Vorstellungsinhalt übernimmt, verrat seine Abhangigkeit leicht durch

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