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logisch ordnende, d. h. er hat die sinnlichen Wahrnehmungsinhalte nach ihrem objektiven Verlauf, nach dem zeitlichen und raumlichen Nach- oder Nebeneinander zu ordnen. Sodann hat er die einzelnen Momente der Beobachtung in kausaler Weise zu verbinden, und zwar gemaB den Beziehungen, die beim objektiven Geschénen gewaltet haben. Zudem hat der Verstand den wahrgenommenen Inhalt mit der Fülle des bereits vorhandenen Erfahrungsmaterials zu verweben, daran anzugliedern. Wenn bei der Verarbeitung des neuen Materials vieles auch unter der Schwelle des klaren BewuBtseins geschieht, so wird doch der wesentliche Teil der Beobachtung, falls anders sie geeignet sein soll, spater der Bezeugung zu dienen, auf bewuBte Weise dem vorhandenen Erfahrungsschatz angegliedert Alle diese Operationen vollziehen sich unter einer gewissen Auswahl, mit der der Verstand aus einer gröBern Fülle von Gegenstlnden jedesmal, mehr oder weniger nach seiner subjektiven Stellungnahme, die ihm bedeutsam scheinenden heraushebt und zur einheitlichen Oruppe vereinigt.

323. 2. Die Fehler, die der Verstand jetzt bei der Synthese in Begriffsbildung, in Urteilen oder SchluBfolgerungen begehen kann, haben ihren AnlaB entweder in der eigenen Schwache, in mangelhafter Sinneserkenntnis, in Vorurteilen, in affektiven Störungen. Die eigene Schwache des Verstandes bekundet sich im Mangel an Geistesscharfe, dialektischer Übung, Kombinationsgabe und dgl, vorübergehend kann sie auch eine Folge von anormalen somatischen Verhaltnissen, wie Krankheits- oder Ermüdungszustanden sein. Über die mangelhafte Sinneserkenntnis bei der Beobachtung wurde' bereits oben das Nötige gesagt. Der EinfluB der Vorurteile, sowohl der persönlichen, als nationalen und gesellschaftlichen, unter deren Einwirkung jedes Menschen Denken mehr oder weniger steht, darf auch bei der geschichtlichen Betrachtung nicht unterschatzt werden. Die Affekte endlich können die sog. EinsteUung des Menschen in höchst subjektiver und selbst falschender Weise beeinflussen. Infolge seiner ganzen Gefühls- und Strebeanlage fühlt der Mensch sein Interesse meist auf ein bestimmtes Ziel gerichtet und deshalb steht auch die Synthese der historischen Vorgange im Banne dieser Tendenz. Es werden infolgedessen einzelne Züge des sich aufbauenden Bildes der historischen Tatsachen ungebührlich hervortreten oder zurücktreten, andere wesentliche werden ausgelassen oder neue hinzugefügt Da jene Tendenz dem Verstande meist durch die Gefühlsstimmungen verdeckt sind, so vollzieht sich die Irreführung mehr oder weniger unbewuBt

324. 3. Die Tatigkeit des Verstandes bei der Synthese wird um so schwieriger und ist darum um so leichter der Oefahr eines Irrtums ausgesètzt, je komplizierter die Tatsachen sind und je mehr sie mit solchen Elementen durchmischt sind, deren Erkenntnis über die sinnliche Beobachtung h i n a u s reicht, wie bei weit ausgedehnten oder langandauernden Kollektivfakta, bei Vorgangen, die einer ganzen Menge gemeinsam sind, bei Gebrauchen, die einem ganzen Volke, einem ganzen Jahrhundert angehören, bei statistischen Zahlen, die durch Addition zahlreicher Einheiten gewonnen werden, bei verborgenen Tatsachen, bei inneren Zustanden.

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