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Namen. Im driften Stadium endlich werden die Berichte in Schriftzeichen oder in bildlicher Darstellung der Nachwelt überliefert. Haufig werden-sie auch von Reisenden (Herodot, moderne Afrikareisende) gesammelt und aufgezeichnet.

345. 2. Theorien über den Wert der mündlichen Tradition im engern Sinne.

1) Manche neuere Lehrbücher der Logik stellen einen Begriff der mündlichen Tradition auf, der dem der streng historischen Tradition anscheinend sehr ahnlich ist, der aber in der Geschichte selbst sich nicht verwirklicht findet. Nach jenen Autoren soll namlich jede mündliche Tradition dann eine Quelle der GewiBheit sein, wenn sie folgende Eigenschaften aufweist: Die Überlieferung ist eine stündige, ununterbrochene, d. h. sie reicht von den unmittelbaren undzeitgenössischen Zeugen der angeblichen Tatsache bis auf unsere Zeit bzw bis auf die Zeit, wo das Zeugnis schriftlich fixiert wurde; sodann hat die Tradition stets eine gewisse Verbreitung gefunden und sie war in allen Phasen ihres Verlaufes von mehreren Zeugen getragen-; der Gegenstand des Zeugnisses ist von gröBerer Bedeutung für die Allgemeinheit oder wenigstens für weitere Kreise, so daB sie die Aufmerksamkeit der Beobachter in hohem MaBe auf sich zog; die Tradition war endlich in ihrem Verlauf und bei den einzelnen Zeugenreihen eine gleichmaBige, wenigstens bezüglich der Substanz des Ereignisses (traditio sit continuo, ampla, illastris, uniformis). Die Beweiskraft ihres Argumentes stützen jene Autoren hauptsachlich darauf, daB ein Irrtum deshalb ausgeschlossen sei, weil die standige Übereinstimmung so vieler, oft voneinander unabhangiger und die verschiedensten Interessen vertretender Zeugen ihren Grund nur in der objektiven Wahrheit der Tatsache haben kann.

346. Im besondern argumentieren die Autoren folgendermafien: Es muB als sicher angenommen werden, daB die unmittelbaren Zeugen des Ereignisses ihren Zeitgenossen einen festen Olauben über dasselbe vermittelten, falls das Zeugnis von vielen ausging, ein wichtiges Ereignis betraf und gleichmafiig lautete. Es ist ferner sicher, daB eben dieses Zeugnis von den nachfolgenden Geschlechtern unverfaischt und unverandert weiter überliefert wurde, falls die Tradition eine ununterbrochene war und den gleichen Inhalt hatte. Es widerspricht namlich dem Prinzip vom zureichenden Grimde, daB die erste Qeneration, welche eine sichere Kenntnis des Ereignisses hatte, die zweite Oeneration getauscht hatte. Der Grund der Tauschung hatte namlich nur in der gemeinsamen Vereinbarung aller liegen können, den Zuhörern ein falsches Zeugnis zu überliefern; eine solche Vereinbarung war aber in sich unmöglich und ebenso unmöglich war es, daB die Zuhörer, die sich leicht anderweitig von der Wahrheit der Tatsache überzeugen konnten, die Tauschung nicht aufgedeckt haften. Desgleichen ist es ausgeschlossen, daB die zweite Oeneration die dritte oder die dritte die vierte tauschte. Einerseits war namlich auch hier aus dem angeffihrten Orunde eine gemeinsame Übereinkunft zur Tauschung ausgeschlossen, andrerseits ware die Tauschung durch die überlebenden Zeugen der altern Oeneration aufgedeckt worden. — Es leuchtet ein, daB die OewiBheit, die wir auf Grund der Tradition gewinnen, in dem MaBe gesteigert wird, je verbreiteter die Überlieferung gewesen ist; so wird beispielsweise eine Überlieferung, die sich bei verschiedenen Vólkern unter den genannten Bedingungen in gïeicher Weise erhalten hat, den Orad der OewiBheit erheblich erhöhen; die OewiBheit wird auch in dem Falie wachsen und jeden Zweifel beheben, wo das historische Ereignis durch nachtraglich

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