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2. In Fallen, wo ernste Zweifel berechtigt erscheinen, führt uns auch hier Nachtrage und kritische Untersuchung über die geistige Anlage des Autors, seine etwaigen Vorurteile und Affekte sowie über das Verhaltnis zwischen Autor und der berichteten Tatsache oft zur sichern Erkenntnis, daB im konkreten Falie ein Irrtum bei der Synthese und Reproduktion ausgeschlossen ist. Das Ereignis war etwa von solcher Wichtjgkeit, daB es einen tiefen, gleictisam unauslöschlichen Eindruck im Gedachtnis hinterlassen muBte; es fiel in eine jüngere oder in die jüngste Zeit, so daB Gedachtnisverschiebungen nicht anzunehmen sind; der Berichterstatter hat die Beobachtung gleich niedergeschrieben; persönliche Vorurteile des Berichterstatters wurden durch das Ereignis nicht oder kaum berührt; diejenigen Affekte, die leicht eine Trübung des Beobachtungsbildes herbeiführen konnten, wurden nicht in Mitleidenschaft• gezogen; das Ereignis besaB eine gröBere zeitliche Ausdehnung, so daB es öfters beobachtet werden konnte, wie eine Sitte, der Charakter eines Menschen; dieselbe Beobachtung wurde öfters wiederholt; bei Beobachtungen komplexer Natur hatte der Berichterstatter alles Interesse die Synthese genau zu machen, weil er sonst der Nachlassigkeit geziehen worden ware wie z. B. ein öffentlicher Statistiker, ein von einer Regierung beauftragter Bereiser fremder Landen

Wenn es sich um die Synthese verwickelter Tatsachen handelt, ist es stets notwendig, im einzelnen die Fahigkeit des Berichterstatters genau festzustellen, weil jene Aufgabe sehr schwierig ist und, wie die Erfahrung zeigt, in sehr vielen Fallen eine schlechte Lösung findet. Es sei nur erinnert an die Beschreibung der Sitten der Oermanen bei Tacitus und Casar, an die Angaben über Bevölkerung, Handel, Sitten, geistige und religiöse Kulturzustande verschledener Völker in den Berichten von Reisenden oder staatlichen Oesandten.

374. 3. AuBere wiedergabe. L Wir können auch hier haufig die GewiBheit haben, daB der Berichterstatter ein Mann ist, der gewohnheitsmaBig seine Beobachtungen in nüchterner, klarer und sprachgewandter Weise wiedergibt, nicht befangen durch eigene ungeregelte Affekte oder irgend welche'auBere Beeinflussung.

2. In vielen anderen zweifelhaften Fallen führt uns die kritische Untersuchung des Zeugnisinhaltes oft zur sichern Überzeugung, daB uns in ihm die Gedanken des Zeugen richtig wiedergegeben sind, vor allem wenn folgende Umstande zugleich vorhanden sind: Der Bericht ist in so klarer und verstlndlicher Weise abgefaBt, daB wir auf eine gute sprachliche Darstellungsfahigkeit des Zeugen schlieBen müssen; das Verhaltnis des Zeugnisinhaltes zum Affektleben des Berichterstatters ist ferner derart, daB eine durch Affekte und Stimmungen hervorgerufene Anderung, wenigstens in wichtigen Punkten, nicht vorauszusetzen ist; desgleichen bietet der Zeugnisinhalt auch keinen Grund für die Annahme, daB der Zeuge sich durch irgendwelche Rücksichtnahme auf andere habe leiten lassen oder daB er unter einer auBern Beeinflussung, etwa durch Suggestion, gestanden habe; schlieBlich laBt sich in dem Berichte keine besondere Tendenz nachweisen, die auBer

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