Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

ein wahrheitsgetreues Zeugnis nichts verliert; denn unter solchen Umstanden wird der Bericht die Wahrheit enthalten. Die Wahrheitsliebe entspricht namlich derart der vernünftigen Menschennatur, daB ein Mensch sie nicht verletzt, wenn ihn nicht die Aussicht auf einen zu erlangenden Vorteil dazu bewegt Sonst wird es der Natur direkt widerstreiten, von der Wahrheit bewuBterweise abzuweichen.

DaB aber bei einem Zeugen keine pathoformen Zustande und keine pathoforme Lügenhaftigkeit vorliegt, können wir in den meisten Fallen leicht durch die Erfahrung oder den Umgang feststellen. Im übrigen verraten sich die pathoformen Lugner gewöhnlich dadurch, daB die Lügen vorgebracht werden ohne Rücksicht darauf, daB sie bald erkannt werden, daB sie namentlich in Oegenwart von Personen vorgebracht werden, welche die wahre Sachlage kennen, ferner auch darin, daB die betreffenden Individuen bei der Zurechtstellung sich mit auffallend ungeschickten Antworten verteidigen.

378. 3. Im einzelnen können wir als Kriterien ffir die Bestimmung der Wahrhaftigkeit bzw der Wahraussage im konkreten Falie folgende aufstellen:

1) Die Natur der bezeugten Tatsache ist derart, daB eine Lüge dem Berichterstatter keinerlei Vorteil einbringen, die Wahraussage aber keinerlei Schaden zuffigen konnte.

2) Manche Zeugnisse weisen eine solche nfichterne, unmittelbare, selbstlose, aus übernatürlichen Beweggrfinden entspringende Berichterstattung auf, daB wir ihnen von vornherein das höchste Vertrauen entgegenbringen, so z. B. manche Martyrerberichte, die unmittelbar aus den Angsten und Sorgen der Verfolgungszeit herausgewachsen sind (vgl etwa den Brief der Oemeinden von L y o n und Vienne an die Kirchen Asiens und Phrygiens fiber die Verfolgung v. J. 177/8 bei Eusebios, Hist. eed. 5, 2).

3) In Fallen, wo man zweifeit, ob eine verleumderische Behauptung vorliegt, gelingt es oft, die Motive, die einer solchen zugrunde liegen konnten, wie Rache, Neid, Bosheit, Sensationslust und dgl, ganz auszuschlieBen.

4) Es gibt ferner Verhaltnisse, in denen der Berichterstatter durch die Offentlichkeit gezwungen wird, bei der Wahrheit zu bleiben: namlich in jenen Fallen, wo eine historische Tatsache in Gegenwart anderer Personen berichtet wird, die ihn gegebenenfalls der Falschaussage überführen konnten, weil sie den bezeugten angeblichen Vorgang selbst beobachtet haben, und die ihn auch der Falschaussage in Wirklichkeit überführen würden, weil die Aussage ihren eigenen Interessen oder den Interessen ihrer Partei entgegen ist und dieselben erheblich schadigt. In solchen Fallen begibt sich kein normal veranlagter Mensch ohne die Aussicht auf groBen Vorteil in die Gefahr, öffentlich als ehrloser Lügner gebrandmarkt zu werden. Um so mehr ist die Glaubwürdigkeit des Zeugen gesichert, je bekannter und bedeutungsvoller das Ereignis war, weil in demselben Verhaltnis die Zahl der etwaigen Gegner steigen würde.

Hierhin gehören auch viele Berichte fiber bedeutsame zeitgenössische Vorgange, in denen die Tatsachen derart lokalisiert und mit

Sluiten