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konkreten Umstanden umkleidet sind, daB im Falie einer Falschaussage die Öffentlichkeit sich sofort dagegen auflehnen würde.

379. 5) Besonders einleuchtend ist die Wahrhaftigkeit bzw die Wahraussage des Zeugen in Fallen, in denen der Zeuge befürchten muB, einzig wegen seines Berichtes Anfeindungen zu erdulden, Verlust an Hab und Gut, ja selbst den Verlust des Lebens zu erleiden (vgl die Apostel). Bleiben die Zeugen nichtsdestoweniger bei ihrem Bericht, so ist die Glaubwürdigkeit über allen Zweifel erhaben. Es gibt zwar auch Fanatiker, welche eher die gröBten Leiden über sich ergehen lassen, als daB sie von ihren Aussagen abgehen, allein solche bilden doch eine anormale Ausnahme und zudem ist ihr Charakter leicht zu erkennen.

6) In einzelnen Fallen kann die Glaubwürdigkeit auch solchen Berichterstattern nicht abgesprochen werden, welche erwiesenermaBen aus Parteiinteresse die Wahrheit brechen und aus dieser Tendenz auch kein Hehl machen, wie etwa ein Voltaire, der es wagte zu schreiben:

Le mensonge n'est un vice que quand il fait du mal; c'est une trés grande vertu quand il fait du bien. Soyez donc plus vertueux que jamais. II faut mentir comme un diable, non pas timidement, non pas pour un temps, mais hardiment et toujours . . . Mentez, mes amis, mentez; je vous le rendrai dans ('occasion (Lettre a Thiériot 21. oct. 1736 in Oeuvres complètes 80 [1792J 85).

Wir können namlich auch bei solchen Berichterstattern inmitten uuzuverlassiger Zeugnisse nach der frühern Regel nemo gratis mendax als zuverlassig jene Mitteilungen gelten lassen, in denen das eigene oder das Parteiinteresse nicht in Frage kommt, die mit den Tendenzen des Autors in Widerspruch stehen, die ihm etwa unangenehm oder unliebsam sind, die der eigenen Person oder Partei schaden, dem Gegner aber nützen, wie z. B. das Eingestandnis von persönlichen Fehlern oder Schwachen der eigenen Partei oder das Zugestandnis von Verdiensten und Tugen den der Gegner.

7) Ist der Inhalt des Zeugnisses für den Autor oder seine Partei indifferent und besteht für ihn nachweisbar nicht die Versuchung, den Inhalt zu entstellen, so dürfen wir die Glaubwürdigkeit des Berichterstatters voraussetzen. Solche Falie treffen z. B. zu bei Berichten über allgemeine Gebrauche, Institutionen, über Ereignisse oder Personen, die den Interessen des Zeugen fernstehen.

380. NB. 1. Eine besondere Aufmerksamkeit ist den Berichten zuzuwenden, die vom Mitglied einer Partei ausgehen, die mehrere Gruppen umfaBt. In diesem Falie ist namlich das Interesse des Berichterstatters weniger auf die ganze Partei als auf die ihm nahestehende Oruppe gerichtet, z. B. weniger auf die Nation als auf einen bestimmten Volksstamm, weniger auf die Religion als auf eine bestimmte Sekte.

2. Liegen von einem Berichterstatter Aussagen über denselben Tatbestand aus verschiedenen Zeitpunkten vor, so verdienen im allgemeinen die früheren Zeugnisse die gröBere Olaubwürdigkeit; bei spateren Zeugnissen ereignet sich, abgesehen von dem Nachlassen der Erinnerung bei langeren Zeitdistanzen, oft der Fall, daB in der Aussage nicht mehr die Erinnerung an die historische Tatsache, sondern die Erinnerung an ein früheres Zeugnis wiedergegeben wird.

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