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381. 3. Falsche Kriterien für die Feststellung der Aufrichtigkeit. Im gewöhnlichen Leben werden haufig der sog. Accent der Aufrichtigkeit oder der Eindruek der Wahrheit als Kriterien für eine Wahraussage betrachtet Man glaubt auf Grund solcher Momente die Aufrichtigkeit gleich beim ersten Bliek erkennen zu können, man glaubt einen fast unwiderstehlichen Eindruek der Wahrheit wahrzunehmen. GewiB können die Umstlnde eines Berichtes derart sein, daB sie von vornherein den Eindruek der Glaubwürdigkeit erwecken; wir begegneten solchen Fallen bereits oben unter n. 378. Aber jener sog. Accent der Aufrichtigkeit ist für viele nur die Festigkeit der Behauptung des Zeugen und diese ist in Wirklichkeit haufig nur der auBere Schein einer vorgetauschten innern Überzeugung. Namentlich rufen manche Redner, Schauspieler, Gewohnheitslügner trotz ihrer Unwahrhaftigkeit leicht diesen Schein fester Überzeugung hervor. In solchen Fallen beweist die Festigkeit der Behauptung aber nicht die Festigkeit der Überzeugung, sondern nur die Geschicklichkeit oder Unverfrorenheit des Berichterstatters. Der sog. Eindruek der Wahrheit aber, der ohne die reflexe Erkenntnis der Autoritat des konkreten Zeugnisses oft eine sichere Zustimmung herbeiführt, ist vielfach nichts anderes, als ein auf dem Gefühl oder der Stimmung beruhendes Urteil und deshalb ungeeignet als Grund für die GewiBheit von der Aufrichtigkeit eines Zeugen betrachtet zu werden.

382 Oft erblickt man auch in der Fülle und Bestjmmtheit der Einzelheiten eines Berichtes ein Kriterium für die Aufrichtigkeit eines Zeugen. Man sagt von einer mit vielen Einzelheiten ausgestatteten Erzahlung: „Solches erfmdet sich nicht". Die Einzelheiten brauchen freüich bei derartigen Zeugnissen ment immer vom Berichterstatter erfunden zu sein; sie können aber leicht durch ihn von einer andern Person, Gegend, Zeit übertragen worden sein, wenigstens bei solchen Berichten, die nicht über zeitgenössische oder konfrolherbare Tatsachen handeln. Bei letzteren halten den Berichterstatter meist andere Rücksichten von einer Falschung ab (s. oben n. 379).

B. Die Glaubwürdigkejt des mittelbaren Berichterstatters.

383. 1. Die Kunde von überaus zahlreichen Tatsachen der Gegenwart wie auch der Vergangenheit gelangen zu uns nicht durch unmittelbare, sondern durch mittelbare Berichterstatter, also durch solche Zeugen, die dasjenige, was sie berichten, nicht selbst wahrgenommen, sondern von anderen vernommen haben. Direkter Gegenstand ihres Berichtes ist also weniger der bezeugte .historische Vorgang, als die Tatsache, daB ihnen derselbe von Gewührsmannern überliefert wurde, die sie für unterrichtet und glaubwürdig hielten. Haufig hat der ZeugnisinhaH, ehe seine Kenntnis zu uns gelangte, selbst eine gröBere Reihe voneinander abhangiger Zeugen durchlaufen. Wollen wir in solchen Fallen gleichwohl die Glaubwürdigkeit eines Berichtes aus dem Eigenwert der Einzelzeugnisse beurteilen, so müssen wir natfirlich GewiBheit über die Glaubwürdigkeit der ganzen Zeugenreihe zu erlangen suchen, beginnend mit dem letzten Berichterstatter, der uns das Zeugnis überliefert, bis hinauf zu den unmittelbaren Gewahrsmannern

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