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Zeugen notwendig verliere. Zuzugestehen ist nur, daB die Möglichkeit der Trfibung und Falschung bei der mittelbaren Überlieferung vorhanden ist und sogar auch mit der Zahl der Mittelglieder wachst. Dabei bleibt aber die Tatsache bestehen, daB in Wirklichkeit viele Ereignisse wenigstens ihrer Substanz nach uns durch eine langere Reihe von mittelbaren Zeugen richtig überliefert worden sind.

2. Man begegnet auch haufiger dem Einwurf, daB bei der Anwendung der Kriterien für die Olaubwürdigkeit mehrerer mittelbaren Zeugen eine petitio principü begangen werde, indem man haufig zwar durch Zeugnisse anderer erfahre, ob die einzelnen Zeugen die erforderte Kenntnis und Wahrhaftigkeit besitzen, jene Zeugnisse aber selbt wieder durch andere Zeugnisse beurteilt werden müBten. Dieser Einwurf wird aber zu Unrecht erhoben; denn wir können in vielen Fallen wenigstens einen Zeugen, manchmal auch mehrere unmittelbare Zeugen persönlich auf Orund ihres- Charakters oder ihres Zeugnisses auf ihre Olaubwürdigkeit, d. h. auf ihr Wissen und ihre Wahrheitsliebe hin prüfen und so die Grondlage für die sichere weitere Untersuchung schaffen.

Zweites Kapitel. Der Erganzungswert anderer Quellen und Beweismittel.

386. Der Eigenwert der Quellen kann und muB in vielen Fallen durch den Erganzungswert anderer Quellen und Beweismittel, d. h. SuBerer Zeugnisse und Überreste, sowie innerer, aus der Natur der Tatsache selbst hergeleiteter, Gründe kontrolliert und bekraftigt werden. Die Anwendung der innern Gründe muB, wie sich aus Nachfolgendem ergeben wird, zuweilen auch inbezug auf solche Berichte stattfinden, deren Glaubwürdigkeit bereits durch sonstige auBere Zeugnisse feststeht.

§ 1. Der Erganzungswert innerer Gründe.

387. Lit.: de Smedt 270—282; Bernheim 533—536; EMüller, Natur u. Wonder 1892; ders., Das Wunder u. die Oeschichtswissenschaft in Compte rendu du IV. Congres scient. internat, des Catholiques (1898), Introd. 419—427; TPesch, Phüosophia naturalis 22(1897) 374—394.

f. Dem historischen Kritiker kann gleich bei der Kenntnisnahme einer historischen Tatsache oder beim Verlauf der Untersuchung über dieselbe der berechtigte Zweifel auftauchen, ob die Tatsache auch innerlich möglich oder innerlich wahrscheinlich sei. Er wird sich deshalb durch das sog. argumentum a priori, ein SchluBverfahren, das sich einzig und allein auf die Natur der berichteten Tatsache stützt, zunachst vergewissern, ob die angebliche Tatsache nicht mit metaphysischen, physischen, moralischen Gesetzen in Widerspruch stehe, d. h. ob sie innerlich möglich sei; sodann, ob die berichtete Tatsache auch in den innern Zusammenhang der Tatsachenreihe hineinpasse, d. h. ob sie innerlich wahrscheinlich sei.

388. 2. Beiderlei Verfahren werden besonders in n e g a t i v e m Sinne angewandt, um die Unzuverlassigkeit eines zweifelhaften Berichtes darzutun oder auch um einen auftauchenden Zweifel über die innere Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit eines auffallenden Berichtes, namentlich eines Wunderberichtes, zu widerlegen. Bei dem Verfahren ist vor allem zu beachten, daB

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