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NB. Es versteht sich von selbst, daB wir bei Wunderberichten den Eigenwert des Zeugnisses stets durch den Erganzungswert anderer Zeugnisses zu bekraftigen und zu festigen suchen.

2. Die innere Wahrscheinlichkeit

400. Unter der innern Wahrscheinlichkeit einer Tatsache verstehen wir die Übereinstimmung der gegebenen Tatsache mit den öbrigen uns bekannten Tatsachen desselben Ereigniskomplexes. Der SchluB von der innern Wahrscheinlichkeit auf die Wirldichkeit der Tatsache ist natürlich nur ein wahrscheinlicher, nie ein sicherer, weil der Zusammenhang haufig auch durch verschiedene sonstige Möglichkeiten erklart werden kann. Sollte es sich herausstellen, daB unsere Tatsache die einzig mögliche Erklarung für den Zusammenhang betert, so ware freilich damit nicht bloB ihre innere Wahrscheinlichkeit, sondern ihre innere Notwendigkeit erwiesen. Die Untersuchung einer Tatsache auf die innere Wahrscheinlichkeit hin wird besonders dann notwendig, wenn nur ein einziges unzuverlassiges Zeugnis vorliegt, das durch keine anderen Zeugnisse nachkontrolliert werden kann, oder wenn mehrere sich widersprechende Zeugnisse vorhanden sind. Im übrigen findet jene Untersuchung namenflich bei Hypotiiesen reiche Anwendung (s. oben n. 388). Die innere Wahrscheinlichkeit wird eine Hypothese leicht bekraftigen, die innere Unwahrscheinlichkeit sie leicht zerstören.

§ 2. Der Erganzungswert anderer Quellen.

401. Lit.: Bernheim 524—543; COutberlet, Logik u. Erkenntnistheorie »258 ff- EFVogel, Art Indiciën in Erseh u. Omber; FPorsch, Die Bedeutung des B'eweises durch Indiciën in dem kirckLQerichtsverfahren 1876; de Smedt 213—37.

1. Der aus dem Eigenwert eines Zeugnisses festgestellte Olaubwürdigkeitsgrad laBt sich durch Vergleich mit anderen positiven bzw übereinstimmenden oder negativen bzw widersprechenden Zeugnissen kontrollieren, und zwar starken, bekraftigen oder zerstören. Da manchmal auch aus dem Stillschweigen gewisser Zeugen ein sicherer SchluB auf die Tatsachlichkeit bzw die Nichttatsachlichkeit eines Vorganges gezogen werden kann, so sind im Folgenden drei Arten von Zeugnissen zu behandeln: übereinstimmende Zeugnisse, widersprechende Zeugnisse, das negative Zeugnis des Stülschweigens.

2. Der Kritiker verfahrt bei der gegenseitigen Kontrolle der Quellen also wie ein Richter, der sich nicht mit einer Zeugenaussage begnugt, sondern auch zu anderen Beweismitteln greift, um die Schuld bzw die Unschuld eines Angeklagten möglichst sicherzustellen. Wie der Richter wird aber auch der Kritiker es als leitenden Orundsatz betrachten, daB er, ene andere'Quellen zum Vergleich herangezogen werden, sich Rechenschaft uber den Wert des ersten Zeugnisses zu geben habe.

1. Übereinstimmende Zeugnisse.

402. Ehe wir auf die einzelnen Arten der Übereinstimmung, die durch den verschiedenen Charakter der fraglichen Quellen bedingt smd, eingehen, seien einige Worte über den Orad der positiven Erkenntnis,

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