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verfolgte, das Ziel endlich zu erreichen. Nach Gottes Absicht aber sollte durch Errichtung des Kaisertums und der Weltherrschaft das geschichtliche Leben des Altertums in Rom seinen AbschluB erhalten; Rom sollte die Errungenschaften der bisherigen Entwicklung übernehmen, bewahren und der folgenden neuen Zeit vermitteln; das römische Reich bildete die Unterlage für das Wachstum der Kirche und der christlichen Reiche. — Nachste Ursache der Qlaubensspaltung in Deutschland war der Abfall Luthers. Die entfernteren Ursachen müssen wir tiefer suchen; sie liegen in den politischen, geistigen, religiösen Zustanden der damaligen Zeit und reichen teifweise weit in die Vorzeit zurück: es waren namentlich die Gebrechen weiter kirchlicher Kreise, besonders von Bischöfen und Klerikern, die groBen Immunitaten des geistlichen Standes, die Entartung und innere Spaltung vieler Klöster, der Gegensatz mancher Stadte (Augsburg, Chur, Speier, Worms, Konstanz usw) und zahlreicher Ritter gegen die bischöflichen Herrn, die Zunahme des fürstlichen Absolutismus, die Üppigkeit und Ausgelassenheit vieler fürstlichen Hofhaltungen, die religiös und sittlich zerstörenden Krafte des jüngern Humanismus, der unklare und schrankenlose Freiheitsdrang des gemeinen Volkes. Gottes Absicht bei Zulassung der Glaubenspaltung war augenscheinlich die Lauterung und Starkung der Kirche.

438. NB. Der historische Zufall. Der historische Zufall bedeutet, wie der Zufall überhaupt, nicht Ursachlosigkeit. Zufallig nennen wir sowohl Wirkungen als Ursachen. Erst und zunachst bezeichnen wir gewisse Wirkungen als zufallig, namlich dann, wenn sie nicht naturgemafi mit der eigentlichen Handlung verbunden sind, sondern diese nur ausnahmsweise begleiten. Die Wirkung eines mit BewuBtsein handelnden Subjektes nennen wir zufallig, wenn dieselbe weder beabsichtigt noch überhaupt vorausgesehen war. So war es für Alexander den Grofien zufallig, daB er dem Christentum den Boden bereitete. Eine Ursache wirkt zufallig, wenn ihre Wirkung noch von einer Erscheinung begleitet ist, auf welche die Handlung ihrer Natur nach nicht direkt und aus sich hinzielt. Ist die Ursache eine nichtgeistige, so nennen wir die Ursache Zufall im engern Sinne, ist sie geistig, so nennen wir sie Geschick, Zufall im engern Sinne ist also eine nichtgeistige Ursache, die auBer ihrer eigenen naturgemüBen Wirkung eine Begleiterscheinung hat, deren Grund im gleichzeitigen ausnahmsweisen Auftreten einer zweiten Ursache, sei es einer Wirkursache oder einer Materialursache, liegt: so z. B. wenn der Brand eines durch den Blitz angezündeten Hauses noch durch einen gerade sich erhebenden Sturm gefördert wird oder wenn ein vom Dache fallender Stein einen vorübergehenden Menschen tötet Geschick hingegen ist die geistbegabte Ursache, deren beabsichtigte Wirkung eine Begleiterscheinung hat, die nicht vorhergesehen war und deshalb in einer andern unbekannten oder unvorhergesehenen Ursache ihren Grund hat, so z. B. wenn Bauleute beim Graben antike Statuen finden oder wenn ein jager einen im Gebüsch versteckten Menschen tötet In Wirklichkeit geht also die zufallige Wirkung aus zwei zusammenwirkenden Ursachen hervor. Die fragliche Ursache heiBt aber deshalb zufallig, weil sie ihrem Zweck bzw ihrer bewuBten Zielsetzung nach nicht auf jene Gesamtwirkung, sondern nur auf die ihr unmittelbar entsprechende Wirkung gerichtet war. Vor Gott gibt es natürlich keinen Zufall.

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